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Eine mittelalterliche Variante zum ‘Jakobsweg Ahrtal’

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

Uniform eines Oboedienzritters
(Zunft- und Heimatmuseum Adenau)

Hospitalzimmer
(Zunft- und Heimatmuseum Adenau)


Eine mittelalterliche Variante des Jakobsweges durch das Ahrtal dürfte statt über Blankenheim auch über Adenau geführt haben. Der Grund liegt auf der Hand. 1162 übernahm der Johanniterorden den Herrenhof der Grafen von Are-Nürburg und errichtete u.a. ein Hospital und eine Pilgerherberge. Wer als Jakobspilger der Fürsorge auf dem weiten Weg nach Santiago de Compostela bedurfte, hatte hier also eine ausgezeichnete Anlaufstelle. Zum Beispiel von Dümpelfeld oder auch von Antweiler aus könnten die Pilger nach Adenau gegangen sein und von hier aus dann weiter nach Trier.
 

Jacobus Maior (2. Figur von rechts)

St. Johannes der Täufer


Der Ritterorden prägte auch die Geschichte der Adenauer Pfarrei St. Johannes der Täufer. Ursprungsbau der heutigen Kirche, deren mittelalterlicher Teil im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist vermutlich eine Saalkirche aus dem 10. oder 11. Jahrhundert.

Der gotische Flügelaltar vom Anfang des 16. Jahrhunderts (neu gefasst in den 1860er Jahren) zeigt am unteren Altarrand Figuren der zwölf Apostel mit ihren Symbolen. Jacobus Maior ist hier gekennzeichnet mit Hut, Pilgerstab und Pilgertasche.
 

Blaue Ecke, Adenau

Familienzentrum mit Johanniterkreuz

Auf die Vergangenheit Adenaus als Johanniterstadt weist auch heute noch das häufig anzutreffende Johanniterkreuz. So z.B. an einem 1773 errichteten Fachwerkbau (heute Familienzentrum, siehe Abb.). Neben der Besichtigung der idyllischen Fachwerkhäuser lohnt sich auch ein Besuch des Zunft- und Heimatmuseums Adenau, wo man sich anschaulich und bestens über altes Brauchtum und natürlich auch über den Johanniterorden informieren kann. Der Oboedienzritter (Abb. oben links) hat seinen Namen vom lateinischen ‘oboedientia’ (Gehorsam). Von den drei monastischen Gelübden (Armut, Keuschheit, Gehorsam) muss er nur das des Gehorsams ablegen. Von den anderen beiden ist er befreit. Dafür ist er aber zu jährlichen Exerzitien verpflichtet. Er ist ein Mitglied des Ordens (Malteser) im zweiten Stand. Der Johanniterorden teilte sich nach der Reformation in Johanniter (evangelisch) und Malteser (katholisch).

Zur Lektüre über den Ritterorden in Adenau sei der Artikel von Jakob Rausch ‚Adenau - Die Johanniterstadt’ empfohlen. >>>

Ãœber den ‚Jakobsweg Ahrtal’ informiert das Buch ‚Auf dem Jakobsweg durch das Ahrtal’. >>>

 

 

Bonn, Juni 2011