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Eine kaum bekannte Jakobusspur in Ahrbrück

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 


Jakobusdarstellung auf Kaselstab


Jakobusdarstellung auf Kaselstab


Spuren der Jakobusverehrung scheinen im Ahrtal eine Seltenheit zu sein, obgleich man davon ausgehen kann, dass der Weg von Sinzig (dort mündet die Ahr in den Rhein) zum Jakobsort Blankenheim (dort befindet sich die Ahrquelle) im Mittelalter eine beliebte Pilgerroute Richtung Trier gewesen sein dürfte. Flussläufe dienten der Orientierung, garantierten Leben und Siedlungen am Wasser, ermöglichten den leichteren Weg durch ein Tal statt des mühsameren über die Höhen. Für einen in Sinzig beginnenden Jakobsweg durch das Ahrtal sprechen auch die in der Nähe von Sinzig liegenden jakobäischen Orte Linz, Bad Breisig und Oberbreisig. In Linz und Oberbreisig befinden sich Fresken zur Pilgerkrönung, in Bad Breisig in St. Mariä Himmelfahrt ein Jakobusantependium. Zudem hatte der Ort ein Templerhaus und ein Pilgerhospital. Ob sich auch in der Sinziger Kirche St. Peter Krönungsfresken befunden haben, ist leider nur Spekulation. Die meisten Fresken in dieser Kirche sind unwiderruflich zerstört. Von der zeitlichen Entstehungsgeschichte der Krönungsfresken her wäre eine solche Hypothese durchaus denkbar. Denn als die Krönungsfresken in Linz, Oberbreisig und auch im nicht so weit entfernten Niedermendig entstanden sind, wurde auch St. Peter vollständig mit Fresken dekoriert. Aber wie gesagt: Es ist eine Spekulation.

Dass sich heutzutage im Ahrtal kaum noch Spuren der Jakobusverehrung finden lassen, liegt an den historischen Gegebenheiten. Der Durchzug räuberischer und brandschatzender Heere im 17. und auch 18. Jahrhundert gerade durch das Ahrtal wird diese Zeugnisse vernichtet haben. Es gibt kaum ein Kloster, eine Kirche, eine Kapelle, die nicht Opfer der Zerstörung oder des Raubes kultureller Schätze wurde. Aber es gibt eine Ausnahme: die Marienkapelle in Ahrbrück-Pützfeld.
 


Marienkapelle Ahrbrück-Pützfeld


Muschelwappen in der Marienkapelle


Ãœber die Geschichte der Marienkapelle informiert bestens eine Broschüre von 2006: ‚Festschrift zur 300-Jahr-Feier der Weihe des Hochaltars der Marien-Wallfahrtskapelle zu Pützfeld 1699 – 1999’ – herausgegeben von Rudolf M. Thomi, der auch der Verwalter der Kapelle ist.

Die Marienkapelle wurde 1681 von Freiherr Werner Dietrich von Friemersdorf und seiner Frau Maria Magdalena Elisabeth geb. Scheiffart von Merode zu Allner gestiftet. Bemerkenswert sind die drei Pilgermuscheln im Wappen des Stifters. Sie müssen nicht unbedingt auf eigene Pilgererfahrungen verweisen, wohl aber auf eine Verehrung des Heiligen Jakobus. Das Muschelwappen der Stifter ist als vortrefflich restaurierte Stuckarbeit in die Decke der Kapelle eingearbeitet. Heute sind die drei Muscheln Bestandteil des Wappens von Ahrbrück. Neben dem Bezug zum Jakobsweg symbolisieren sie hier den Zusammenschluss der drei Gemeinden Ahrbrück, Brück und Pützfeld zu einer Gemeinde.

In der Kapelle, gesichert in einer Vitrine, befindet sich auch ein Kaselstab mit einer Jakobusstickerei. Die Darstellung zeigt Jakobus mit einer Muschel, einem Buch und einem Schwert (es scheint mir eher ein Schwert als ein Pilgerstab zu sein). Das Messgewand mit dem Kaselstab fand sich erstmals abgebildet in dem Buch ‘Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler’, 1938 herausgegeben von Paul Clemen. Rudolf Thomi hat die Abbildung entdeckt und ist wegen des Pützfelder Wappens dieser Spur nachgegangen und es ist ihm gelungen, das Messgewand, das sich auf dem Speicher des Pfarramtes in Altenahr befand, nach Ahrbrück zurückzuholen. Wahrscheinlich gehörte es dem letzten Hauskaplan von Burg Pützfeld, Petrus Heckenbach, der Pfarrer in Altenahr geworden war. Rudolf Thomi hat das Messgewand mit dem Kaselstab restaurieren lassen. Der Kaselstab wurde anhand der Webkunst auf das Ende 15. oder Anfang 16. Jahrhundert datiert. Das Muschelwappen des Stabes ist später hinzugefügt worden, wahrscheinlich zur Zeit des Freiherrn Werner Dietrich von Friemersdorf.

Nähere Informationen zur Marienkapelle findet man in der oben angegebenen Festschrift. Auf der Website des Kreises Ahrweiler findet sich ein Artikel zum Wappen >>>. Die Website der Gemeinde Ahrbrück informiert über die Geschichte des Ortes sowie über die Marienkapelle >>>.
 


Marienkapelle mit barockem Hochaltar


Marienkapelle, Orgelempore


Den Besuch dieses einmaligen barocken Juwels an der Ahr sollte man sich nicht entgehen lassen. Jeden Dienstag um 15.15 Uhr findet hier eine Pilgermesse statt. An den anderen Tagen ist die Kapelle zwar auch geöffnet, aber man kann dann nur durch ein Gitter einen Blick hineinwerfen. Das Gitter, wie an vielen anderen Pilgerstationen auch, ist leider notwendig geworden wegen der zunehmenden Kirchenräubereien, von denen in der Vergangenheit auch die Marienkapelle nicht verschont worden ist.

Herrn Rudolf Thomi danke ich für die kundige Führung durch die Kapelle und den Hinweis auf den Kaselstab mit der Jakobus-Darstellung.

Bonn, Februar 2011