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Auf dem Jakobsweg durch das Ahrtal

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

Jakobsweg_Ahrtal
Bernd Koldewey an einer Brücke bei Ahrweiler

 Der Weg die Ahr aufwärts nach Blankenheim, wo sie entspringt, wird früher auch eine beliebte Jakobsweg-Route gewesen sein. Der Fluss diente der Orientierung, nachdem man bei Linz den Rhein zum gegenüber liegenden Sinzig hin überquert hatte. Linz war eine ausgewiesene Pilgerstation. Die Jakobusfresken (Pilgerkrönung) in der Kirche St. Martin belegen das. Siehe hierzu auch den Artikel zu Linz >>>

St.Peter_Sinzig
Sinzig, St. Peter

 Wir (Bernd Koldewey und ich) beginnen unsere Tour in Sinzig, wo die Ahr in den Rhein mündet. Die Landschaft ist schon herbstlich. Unser erster Besuch gilt St. Peter, einer spätromanischen Basilika. Man kann nur vermuten, dass es auch hier wie in Linz Jakobusfresken gab. Die Bemalungen wurden leider im Laufe der Zeit zerstört. Im Zuge einer vollständigen Renovierung folgte man in den sechziger Jahren aus Unverständnis für die mittelalterliche Bilderwelt dem rationalen, nüchternen Zeitgeschmack und strich die Wände radikal in Weiß.

Sinzig_St.Peter
Sinzig, St. Peter

 Für nähere Informationen siehe den Artikel von Stephan Pauly: ‚Die Wandmalereien in der katholischen St. Peter Pfarrkirche in Sinzig - Über den Eindruck des romanischen Innenraums nach dem Verlust der mittelalterlichen Wandmalereien’. >>>

Zelt_Sinzig
Zelten in Sinzig

 Zunächst einmal bleiben wir am Ankunftstag in Sinzig hängen. Es ist später Nachmittag. Der Kirchplatz ist schön, weit und offen. Es gibt dort auch ein Café. Dann geht es ein paar hundert Meter weiter Richtung Ahr. Wir kommen an der Kneipe ‚Am Kreisel’ vorbei, wo eine muntere Stimmung ist. Erst nach Mitternacht verlassen wir die gastliche Stätte und suchen einen Platz für das Zelt. Weit wollen wir nicht mehr gehen, und so kommt es, dass wir auf einem Grünstreifen, umzingelt von schmucken Einfamilienhäusern, campieren. Der Aufenthalt in Sinzig, dieses ‘Hängenbleiben’ auf dem Jakobsweg, veranlasst mich später zu dem Roman ‘Taxi nach Santiago’, der fast ausschließlich in Sinzig spielt. >>>

Heppingen
Idylle in Bad Bodendorf, denkmalgeschützte Hauptstraße,
links das Haus ‘Schifferhof’, im Hintergrund, von der Linde verdeckt,
das heutige Pfarrheim, ehemals ‘Rolandswerther Hof’
(dankenswerter Hinweis von Wolfgang Seidenfuß, Bad Bodendorf)

 Am Morgen gehen wir dann an der schönen, naturbelassenen Ahr Richtung Ahrweiler. Wir passieren den idyllischen Ort Bad Bodendorf (Hierzu als Info: Hinter der Autobrücke Ã¼ber die Ahr in Bad Bodendorf kommt man zur Grill- und Schutzhütte des Heimat- und Bürgervereins von Bad Bodendorf. Dort gegenüber gibt es eine öffentliche Toilette der Stadt Sinzig, die täglich um 6:oo Uhr gereinigt wird. Dort besteht auch eine Waschgelegenheit. Und im nahe gelegenen Thermalfreibad (2 Minuten Fußweg, Karfreitag bis Oktober geöffnet) gibt es auch Duschen und ein Cafe-Restaurant mit Frühstück. Frühstück gibts auch in dem Verkaufspavillion des Bäckers neben der Tourist-Info, auf dem halben Wege zum Freibad gelegen).

 Wir gelangen nach Bad Neuenahr, das uns indes weniger gefällt als das romantischere Ahrweiler. Wir finden eine abgelegene Wiese an der Ahr, zelten dort. Den nächsten Tag beginnen wir mit einem Besuch in der Kirche St. Laurentius, der ältesten Hallenkirche des Rheinlandes.

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Fresko in St. Laurentius, Ahrweiler

 Hier hat man Anfang des 20. Jahrhunderts bei Renovierungen Fresken aus dem 15. Jahrhundert entdeckt und diese dann erneuert.

Kalvarienberg
Zum Kalvarienberg

 Anschließend ging es weiter zum Kalvarienberg in Ahrweiler. Hier gibt es einen Kreuzweg und ein Kloster der Ursulinen. Der Kalvarienberg verdankt seine Entstehung dem Grafen von Blankenheim. Der kehrte Mitte des 15. Jahrhunderts von einer Pilgerfahrt aus dem Heiligen Land zurück und entdeckte einige Entsprechungen zum Berg Golgatha.

Rotweinwanderweg_II
Auf dem Rotweinwanderweg

 Ein paar Kilometer weiter, ab Kloster Marienthal, nehmen wir den berühmten Rotweinwanderweg. An Weinhängen entlang geht es nun hoch über der Ahr nach Dernau. Neben dem idyllischen Ortskern empfiehlt sich hier für Pilger auch ein Besuch der barocken Kirche St. Johannes Ap.

Kirche_Dernau
Dernau, St. Johannes Ap.

 Auf schönen Wanderwegen geht es die Ahr entlang weiter nach Rech, wo dem Pilger vor allem die Nepomukbrücke auffallen und ihn an baulich ähnliche Brücken auf den französischen und spanischen Wegen erinnern wird.

Nepomukbruecke_Rech
Nepomukbrücke, Rech

 Als einzige Ahrbrücke hielt sie mit ihrem Schutzheiligen der Hochwasserkatastrophe von 1910 stand.

St.Nepomuk_Rech
St. Nepomuk, Rech

 Ãœber Mayschoss (teils auch Mayschoß geschrieben) erreichen wir in der Dunkelheit Altenahr, schlagen hier das Zelt direkt am Fluss auf. Am nächsten Morgen entdecken wir, dass Altenahr doch recht touristisch ist, was uns nicht so sehr liegt.

Frühstück_Altenahr
Zelten in Altenahr

 Wettermäßig ist es kälter geworden, es beginnt zu regnen. Mit dem Besuch der spätromanischen Kirche St. Martin, die in ihrem Kern auf das 12. Jahrhundert zurückgeht, beschließen wir unsere Tour.

Erntedank_Altenahr
Erntedank in St. Martin, Altenahr

 Oft sind wir unterwegs gefragt worden, warum wir pilgern. Mit den Antworten sind wir zurückhaltend. Eine gewisse Abenteuerlust? Ja. Aber unter anderem auch, um einer Gesellschaft zu entgehen, die nur noch die reine Nutzanwendung kennt.

 Bonn, Oktober 2009