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Alsfeld - Kleinod auf den ‘kurzen Hessen’

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

Jacobus Maior, Walpurgiskirche, Alsfeld

Hillebrand-Orgel mit barockem Orgelprospekt,
Walpurgiskirche, Alsfeld

Wer als Jakobspilger bzw. Jakobspilgerin  auf den ‚kurzen Hessen’ durch die Region Vogelsberg wandert, trifft auch in den evangelischen Kirchen auf manche Jakobusdarstellung im Pilgerornat. Diese Darstellungen sind meist Bilder in einer Serie von Aposteldarstellungen. So auch in der Walpurgiskirche in Alsfeld, die auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Ein tausendjähriger Taufstein in der gotischen Basilika stammt aus einer romanischen Vorgängerkirche, die durch eine Urkunde von 1233 belegt ist. Es überrascht die Bildfülle dieser Kirche. Neben zahlreichen Brüstungsmalereien finden sich auch Fresken, so z.B. eine Christophorusdarstellung aus dem 16. Jahrhundert. Mit das Kostbarste dürfte im Chor ein spätgotischer Schnitzaltar sein, dessen mittlerer Teil die Kreuzigung zeigt. Umgeben ist das Mittelbild von vier kleineren Bildern mit Szenen aus dem Leben Christi. Das Mittelbild zeigt ein ungewöhnliches Detail. Zur Linken und zur Rechten von Jesus hängen zwei Mörder. Einer bereut, der andere lästert. Diese Begebenheit nach dem Lukasevangelium hat der Künstler sichtbar gemacht, indem er einen Engel bzw. einen Teufel über den Köpfen der ans Kreuz Gehängten erscheinen lässt. In der Walpurgiskirche sind, was Baustil und Ausstattung betrifft, die Epochen der vergangenen Jahrhunderte sichtbar, von der Romanik, über Gotik und Renaissance bis zum Barock. Die Walpurgiskirche ist vom 1. Mai bis einschließlich 15. Oktober geöffnet, täglich von 10.30 bis 12.30 und 13.30 bis 15.30 Uhr.

Die zweite Kirche in Alsfeld ist die Dreifaltigkeitskirche. Sie ist die ehemalige Klosterkirche des Augustinerklosters, das Ende des 13. Jahrhunderts gegründet wurde. Eine Besichtigung der Kirche ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten nicht möglich.
 

idyllisches Fachwerk, Alsfeld

Marktplatz, Alsfeld

Der historische Stadtkern von Alsfeld stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert und ist mit seinen Fachwerkhäusern noch weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten. Die malerischen Gassen, Plätze und Brunnen laden zum Verweilen in einem Ort ein, der 1975 vom Europarat als ‚Europäische Modellstadt’ ausgewählt wurde. Eine Pilgerreise durch die Region Vogelsberg entlang der ‚kurzen Hessen’ begänne also mit einem bemerkenswerten ‚Highlight’.    

 

 

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Bonn, Juli 2012