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Bilstein - Ein rätselhafter Name?

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Der Bilstein

 

Abenddämmerung am Hoherodskopf

In der Region Hoher Vogelsberg, nur ein paar Kilometer südwestlich des Hoherodskopfes, liegt die Felsformation des Bilsteins, zu  dessen Namensherleitung man ein ursprüngliches ‚Bildstein’ vermutet. Ein Bild des keltischen Gottes Belus, eines Gottes des Lichtes und der Heilung, habe dort gestanden. Aber ist die Herleitung von ‚Bil’ aus ‚Bild’ nicht eine zu simple Ethymologie? Die Bonifatiuslegende bietet eine andere, direktere Namensdeutung. Demnach wurde in der Gegend ein Gott namens Biel verehrt. Ob sich dort auch ein Bild befunden hat, ist dann für die Namensdeutung unerheblich. Der Bilstein oder auch Bielstein wäre also der heilige Stein des Biels, ein keltischer Kultort für diesen Gott.

Eine andere Variante ergibt sich aus der altnordischen Sagensammlung der Edda. Hier gibt es eine Mondg̦ttin Bil. Der Bilstein k̦nnte auch ein weiblicher Kultort gewesen sein. Die halbkreisf̦rmige Gestalt des Felsens Рwie ein auftauchender Mond - mag schon rein optisch zu einer solchen Lunaverbindung hinleiten.
  
Auffallend, was den weiblichen Aspekt betrifft, sind auch die Frau Holle- bzw. Ilse-Geschichten, die sich auf den Bilstein beziehen. Demnach verschwindet man in einer Öffnung, deren Tor oder Eingang der Bilstein ist. In den Spalten solcher Felsen wachse die Droge Bilsenkraut, weiß die Sage zu berichten. Im Wälschen (der ursprünglichen germanischen Bezeichnung für die Kelten) bedeutet ‚beili’ die Öffnung. 

Eine recht rationale Namensdeutung ohne kultischen Hintergrund lässt sich auf das althochdeutsche ‚bilu’ zurückführen, das ‚hervorspringen’ bedeutet. Demnach würde sich der Name schlicht auf das Hervorspringen des Felsens aus der Erde beziehen.

Bilsteine, von denen es zahlreiche in Deutschland gibt, könnten nach einer anderen Darlegung auch als astronomische Peilsteine gedient haben. Ob aber tatsächlich, was die Namensherleitung betrifft, Lautverschiebungen von ‚peil’ nach ‚bil’ stattgefunden haben?

Für den Jakobspilger sind Orte wie der Bilstein nicht uninteressant, sind sie doch offensichtlich Zeugnisse der Auslöschung eines heidnischen Kultortes beziehungsweise, wie es oft geschehen ist, seiner Umwandlung in einen christlichen. Ein Beispiel hierfür ist Santiago de Compostela selbst. Laut Legende soll die Bestattung des Apostels Jakobus auf einer keltischen Kultstätte stattgefunden haben.

So bietet also der Bilstein, der direkt am Jakobsweg liegt und auch in der Nähe des Bonifatiusweges, nicht nur ein wunderbares Landschaftspanorama, das je nach Lichtverhältnissen als mystisch erscheinen mag. Er bietet auch Anlass, in die keltische Vergangenheit der Region Vogelsberg einzutauchen.

Hierzu eignet sich besonders ein Besuch des keltischen Museums und des archäologischen Parktes am Glauberg (Glauburg-Glauberg, etwa 17 Kilometer südlich von Nidda (www.keltenwelt-glauberg.de).

 

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Bonn, März 2012