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Von Rheinbach nach Blankenheim

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

  
Weg nach Iversheim
Weg vor Iversheim

Ein anderer Weg von Bonn nach Trier [über den Moselcamino hatten wir berichtet] führt sozusagen quer durch die Eifel. Bestens geeignet für eine kleine Wanderung auf Jakobusspuren ist die Strecke von Rheinbach nach Blankenheim. Rheinbach liegt in der Nähe Bonns.

 
Rheinbach
Rheinbach

Der Weg nach Blankenheim führt durch eine schöne Landschaft und bietet dazu einiges an Sehenswürdigkeiten. Die Strecke mit einem lohnenden Bogen über Kreuzweingarten beträgt etwa 50 Kilometer. Eine Übernachtungsmöglichkeit gibt es zum Beispiel im Kloster ‘Maria Rast’ (bei Kreuzweingarten). In Blankenheim und in Bad Münstereifel, über das die Route führt, gibt es Jugendherbergen. In beiden Orten auch Hotels.

 
Maria Rast
 Kloster ‘Maria Rast’ bei Kreuzweingarten

Auf seinem langen Weg nach Santiago hat Bernd Koldewey die Route über Blankenheim gewählt. Nach Trier ist es der kürzere Weg. Er kennt die Strecke also schon bestens. Um nach der Erkundung des Moselcaminos auch einmal ein Teilstück dieser Eifelroute kennenzulernen, starte ich von Rheinbach aus Richtung Bad Münstereifel.

Fachwerkhaus Queckenberg
Fachwerkhaus in Queckenberg

Von Rheinbach aus geht es zunächst südlich zu einer Waldkapelle und dann westlich über Queckenberg, Kloster Schweinheim und Kirchheim in den Hardtwald. Es ist nicht der direkte Weg nach Bad Münstereifel, sondern der erwähnte Bogen über Kreuzweingarten.

Grenzstein
Grenzstein Queckenberg

In Queckenberg überschreitet man eine alte Territorialgrenze des Kurfürstentums Köln. Ein Grenzstein am Ortsausgang erinnert daran. ‘Territorialgrenze Kurfürstentum Köln, 1362 - 1794' steht auf dem Messingschild oben am Grenzstein.

Kreuzweingarten
Kreuzweingarten

Kreuzweingarten ist ein hübscher Ort mit alten Fachwerkhäusern, einer schönen barocken Kirche (‘Heilig Kreuz’), die geöffnet ist. Immer wieder passiert es ja, dass man vor verschlossenen Kirchentüren steht, wodurch ein bedeutendes Stück Pilgerkultur leider verloren geht.

Kirche Kreuzweingarten
Pfarrkirche ‘Heilig Kreuz’, Kreuzweingarten

Neben der sehenswerten Kirche in Kreuzweingarten gibt es auch noch ein Stück alter Römerkultur, und zwar einen Wasserkanal, bei dem mächtige Kalkablagerungsschichten sichtbar sind. Anhand dieser Sinterschichten ließ sich eine ununterbrochene Nutzungszeit des Kanals von 190 Jahren berechnen.

Roemerkanal Kreuzweingarten
Römerkanal, Kreuzweingarten

Von Kreuzweingarten aus geht es weiter nach Kirspenich. Hier gibt es auf dem Altar von St. Bartholomäus zwei sehr schöne Reliefs, die auch Jakobus zeigen. Allerdings nicht als Pilgerapostel, sondern als Jünger Jesu.

Relief Kirspenich I
Relief, Verklärung Jesu (Jakobus unten links),
St. Bartholomäus, Kirspenich

An Burg Kirspenich vorbei geht es nach Arloff.

Burg Kirspenich
Burg Kirspenich

Hier befindet sich eine bemerkenswerte Kapelle (Hubertuskapelle), die allerdings leider verschlossen war. Bemerkenswert ist sie nicht nur wegen ihrer spätgotischen Wandmalereien, sondern auch wegen ihrer Pilgerspuren, die sich außen neben der Tür befinden. Deutlich sind dort Rillen zu sehen.

Hubertuskapelle Arloff
Pilgerspuren, Hubertuskapelle, Arloff

Wahrscheinlich haben sich Pilger Steinmehl abgekratzt, um es zum Schutz vor Krankheiten mit sich zu führen. In einer Außennische der Kapelle steht eine Figur des Antonius von Padua (entstammt aus einer portugiesischen Adelsfamilie). Ein paar Kilometer südlich von Bad Münstereifel begegne ich ihm wieder, und zwar auf einem ‘Mauerfresko’.

Antonius von Padua
Antonius von Padua (?), Hubertuskapelle, Arloff
In der Fachliteratur (‘Wege der Jakobspilger im Rheinland, Bd. 2, LVR) ist die Figur
als Antonius von Padua bezeichnet. Dieser trägt jedoch nie einen Bart, es sei denn,
es handelt sich hier um eine Ausnahme. Daher das Fragezeichen.

Am Arloffer Wald entlang geht es nun auf sehr schönen Wanderwegen nach Iversheim. Auch hier ist die Kirche wieder verschlossen. Man kann allerdings durch ein Gitter ins Innere sehen. Die Skulptur mit dem Stab (Pilgerstab) im Innern der Kirche würde mich schon interessieren. Aber zum näheren Betrachten müsste man in die Kirche gelangen. Für ein Foto mit Teleobjektiv ist sie leider zu weit entfernt und es ist auch zu dunkel.

Roemische Kalkbrennerei Iversheim
Römische Kalkbrennerei, Iversheim

Aber Iversheim hat eine andere Attraktion. Eine alte römische Kalkbrennerei. Die Öfen sind rekonstruiert worden.

Iversheim Kalkofen
Kalköfen, Iversheim

Zu besichtigen ist die Brennerei allerdings nur samstags und sonntags (Öffnungszeit samstags 13-16 Uhr, sonntags 13-18 Uhr).

Iversheim Koralle
Korallen, Iversheim

Hier findet man auch eine Korallensammlung aus der Zeit, als die Iversheimer Gegend noch ein Meer war. Das Alter der Korallen: Circa zweihundert Milliarden Jahre. Ein paar dieser ‘alten’ Gesteine aus dem Iversheimer Meer kann man auch anfassen. Sie liegen nicht in einer Vitrine.

Iversheim Matronenstein
Matronenstein, Iversheim

Weiter kann man aus der römischen Zeit die Kopien eines Weihesteins (gefunden 1913 im Matronentempel Bad Münstereifel - Nöthen/Pesch) und eines Matronensteins (Teilstück, gefunden 1991 im Altar der Kirche in Mechernich-Weyer) betrachten.

Bad Münstereifel an der Erft
Bad Münstereifel an der Erft

Bad Münstereifel mit seinen Fachwerkhäusern und der fast vollständig erhaltenen und restaurierten Stadtmauer ist sicherlich ein mittelalterliches Kleinod und war und ist eine bedeutende Pilgerstation.

Bad Münstereifel Stiftskirche
Bad Münstereifel, Stiftskirche

In der sogenannten ‘Stiftskirche’ findet sich ein aus dem 15. Jahrhundert stammendes Fresko. Freigelegt wurde es 1936. Es zeigt Jakobus in grünem Gewand und rotem Mantel. In der Rechten hält er Schwert und Buch. Unter dem Bild befindet sich eine Jakobusskulptur. (Siehe hierzu auch den Artikel ‘Jakobusfresko in Bad Münstereifel’ - mit weiteren Fotos von Bad Münstereifel).

Jakobusfresko Bad Muenstereifel
Jakobusfresko, Bad Münstereifel

Ein paar Kilometer südlich von Bad Münstereifel komme ich in den Ort Hohn und entdecke hier an einer Mauer ein Fresko, das Antonius den Großen, auch Antonius Abbas genannt, zeigt.

Antoniusfresko in Hohn
Antoniusfresko, Hohn/Bad Münstereifel

Eine Nachfrage führt mich dann auch rasch zu dem Maler, der gerade mal hundert Meter weiter wohnt. Es ist Peter Sasowski, der das Fresko 1977 geschaffen hat.

Fresko Antonius Abbas
Fresko, Antonius Abbas

Er erzählt, dass es ein Fräulein Bienentreu, die in dem Haus wohnte, in Auftrag gegeben hatte. Damit wollte sie ihren Vater, der Antonius hieß, ehren.

Peter Sasowski
Der Maler des Freskos, Peter Sasowski

Ich verbringe eine gastliche Stunde im Haus des Malers und darf mit ihm auch auf Entdeckungsreise gehen. Zahlreiche Fresken hat er im Inneren des Hauses angefertigt. Eins davon zeigt auch die Antonius-Kapelle in Hohn, die ich kurz darauf besuche.

Antoniuskapelle Hohn
Antoniuskapelle in Hohn/Bad Münstereifel

Über Bouderath, Roderath und Engelgau und durch das Genfbachtal geht es dann weiter nach Blankenheim. In diesem Ort, in dem die Ahr entspringt, gibt es in der Kirche Mariä Himmelfahrt’ eine Jakobusfigur aus dem 16. Jahrhundert.

Jakobusfigur Blankenheim
Jakobusfigur in Mariä Himmelfahrt, Blankenheim

Wie auch in Bad Münstereifel (an der Erft) stößt man auch in Blankenheim auf den Brückenheiligen Nepomuk (an der Ahrquelle).

Nepomuk Blankenheim
Nepomukfigur, Blankenheim/Ahr

Die Strecke Rheinbach - Blankenheim ist für eine zwei- bis dreitägige Tour auf dem Jakobsweg bestens geeignet. Rheinbach, in der Nähe Bonns ist rasch zu erreichen. Der Weg von Rheinbach aus führt durch eine sehr schöne Landschaft mit zahlreichen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten.

Weg nach Iversheim
Weg von Arloff nach Iversheim

Für ausführliche und detailliertere Informationen sei an dieser Stelle das ausgezeichnete und unentbehrliche Buch ‘Wege der Jakobspilger im Rheinland’, Band 2, empfohlen, dem ich selbstverständlich auch zahlreiche Hinweise verdanke. Für die angegebene Tour finden sich hier auch genaue topografische Karten.

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Bonn, August 2009