Home

   Berichte

Spurensuche

Rheincamino

Vogelsberg

Literatur

Diashow

Vortrag

Impressum

Links

José Manuels Bar

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

José Manuel mit Bernd Koldewey

Will man den Pass Puerto del Palo (1146m) überschreiten, steht man vor der Alternative nördliche oder südliche Route. Wir entscheiden uns für die ein paar Kilometer längere südliche Variante, weil man auf ihr solchen Originalen wie Elena in La Mortera und später dann auch José Manuel in Porciles begegnet. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Und schon am Alto de Porciles trifft man neben der Kapelle San Roque auf eine jener Bars, die an eine längst vergangene Welt der Gemütlichkeit erinnern. Neben dem Gemäuer gackern die Hühner. Man sitzt auf einem der Plastikstühle in der Sonne. Ein paar Meter weiter verläuft eine kaum befahrene Straße, über die ab und zu ein paar Kühe getrieben werden.
 

am Alto de Porciles


Dann aber kommt in dem Ort Porciles ein besonderer Höhepunkt der Strecke. Es ist José Manuels liebevoll eingerichtete Botobar, in der man auch Lebensmittel einkaufen kann. José Manuel, bevor er sich den Pilgern am Camino widmete, hat als Filmschauspieler gearbeitet. Und ab und zu traben ein paar Pilger dem Puerto del Palo entgegen, lassen sich hier nieder, rücken die Stühle in die Sonne und genießen nach dem Aufstieg zum Alto de Porciles ein kühles Cervezza, bevor es weitergeht nach Pola de Allande.
 

die Botobar

Pilger in der Sonne

Das ist der Vorteil des ungleich einsameren Camino Primitivo gegenüber dem touristischen Camino Francés. Hier hat man Zeit, Muße, Ruhe, trifft auf originale Wirte, die sich freuen, wenn man kommt. Später in Melide, wo der Camino Primitivo auf den Camino Francés trifft, wird man eingesogen werden von der ‚Autobahn’ der unterschiedlichsten Pilger. Den Radfahrern, Begleitbus-Touristen, Wochenendwanderern und denjenigen, die mit Jakobus-Gutschein (auch das gibt es neuerdings) und Fahrservice unterwegs sind, aber natürlich auch den echten Jakobspilgern. Dann mag die Sorge um das Quartier beginnen und man wird womöglich mit Wehmut an den Camino Primitivo zurückdenken.

Bonn, Mai 2013