A-2-850

Drabenderhöhe - Schnittpunkt zweier Wege

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 



In Drabenderhöhe kreuzten sich zwei alte Handels- und Pilgerrouten: auf einer Ost-West-Achse die Brüderstraße und in südwestlicher Richtung die Zeitstraße über Much, Neunkirchen-Seelscheid, Siegburg, Vilich, Beuel, Bonn. Ihren Verlauf markiert heute die B 56. Santiagopilger konnten sich also in Drabenderhöhe entscheiden, ob sie über Köln nach Spanien gingen oder aber auf direkterem Weg über Siegburg nach Bonn, das ebenfalls ein bedeutender Ort jakobäischer Verehrung war. Möglicherweise fiel diese Entscheidung auch schon vor Drabenderhöhe, und man ging über Ruppichteroth nach Herchen an der Sieg, die bis dorthin mit Flachbooten schiffbar war und auch als Handelsroute genutzt wurde (zur Zeitstraße siehe auch den Artikel ‚Jakobsweg an der Sieg’ >>>).

In Drabenderhöhe ist mit Anfang der sechziger Jahre die größte zusammenhängende Siedlung der Siebenbürger Sachsen in Europa entstanden. Man findet Straßennamen wie ‚Weinland’ und ‚Burgenland’. Für die gelungene Integration spielte eine nicht unbedeutende Rolle, dass die Siebenbürger Sachsen der evangelischen Kirche angehörten. 1605 hatte Drabenderhöhe nach dem Siegburger Vergleich das reformierte Bekenntnis lutherischer Prägung übernommen.
 

evangelische Kirche, Drabenderhöhe

Saalbau mit Seitenemporen

Die Kirche auf der Höhenkreuzung geht mit ihren Vorgängerbauten bis auf das 12./13. Jahrhundert zurück. Wahrscheinlich gab es schon um 750 eine Taufkapelle am Schnittpunkt der alten Handelswege. Die neue Kirche, ein Saalbau nach Vorgaben König Friedrich Wilhelm IV., wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut, wobei Auflage war, den alten Turm zu erhalten. Schlichtheit wie auch Schönheit des Saalbaus mit seinen Seitenemporen sind beeindruckend, spiegeln die lutherische Ausrichtung. Blickfang sind der Kanzelaltar mit schöner farblicher Fassung und im Apsisgewölbe eine Wandmalerei, bei der ‚Christus als Weltenrichter’ von einer Mandorla mit Strahlenkranz umgeben ist.
 



Der Name des Ortes geht auf den 1464 geprägten Begriff ‚Traffende Hue’ zurück, was auf die Wetterbedingungen der Höhe anspielt (‚traffende’ = triefen, feucht, nass).

 

 

Bonn, Februar 2013