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Kirche zu - Kirche auf!

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

Es ist ein leidiges Kapitel beim Pilgern. Manche Kirchen sind geöffnet, die meisten geschlossen, gelegentlich darf man wenigstens durch ein Gitter einen Blick ins Kirchenschiff werfen. Kapellen kann man in der Regel nur von außen betrachten. Für die Schließungen mag es gewichtige Argumente geben. Vandalismus, Kunstdiebstahl, Plünderung der Opferstöcke, Heizungskosten und so weiter. Man kann sich das Pilgern nicht so einteilen, dass man stets zu Gottesdienstzeiten eintrifft. Auch ist es lästig eine Telefonliste mit sich zu führen, um mit dem Küster oder der Küsterin einen Termin zu vereinbaren. Schließlich ist man nicht auf einer Geschäftsreise, und man ist als Pilger auch nicht nur Wanderer, der sich einzig an der schönen und unverriegelten Natur erfreut. Der Besuch von Kirchen und Kapellen gehört beim Pilgern einfach dazu. Auffallend ist, dass gerade manche Kirchen mit den größten Kunstschätzen geöffnet sind. So etwa St. Heribert in Deutz, St. Sebastian in Friesenhagen, die evangelische Kirche in Marienberghausen, St. Mariä Himmelfahrt in Untereschbach. Hier ist die Liste für die Brüderstraße fast schon zu Ende. Offene Kirche geht also im Prinzip. Woran liegt es? An der Armut der Gemeinde und den zu hohen Kosten für eine Alarmanlage? Verwaist das Amt des Küsters oder der Küsterin, und es findet sich niemand mehr? Oder geht man davon aus, dass außerhalb der Gottesdienstzeit sowieso keiner Interesse hat, eine Kirche zu betreten? Ist die Schließung der Kirchen bei gleichzeitig wachsendem Wohlstand ein Phänomen der Neuzeit? Ist es wichtiger geworden, Geld in neue Konsumtempel zu investieren oder den Automobilen noch breitere Fahrbahnen zu bescheren?

Sicher, Kunstdiebstahl ist ein gewichtiges Argument. Aber ist die Hemmschwelle vor dem Sakrileg tatsächlich so gesunken? Die Kölner Ganoven der 60er Jahre hatten noch die Ehre, denjenigen, der etwas aus dem Dom klaute, in der Szene aufzuspüren und der Polizei ans Messer zu liefern. Hat sich daran etwas geändert?

Es sind viele Fragen. Aber die Schließung der Kirchen gerade entlang einer Pilgerroute ist ein Problem, das gelöst werden sollte.   

 

Bonn, Februar 2013