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Eine rätselhafte Pilgerin aus Brühl

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

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Jakobus mit Pilgerin, Brühl-Kierberg, St. Servatius

Das Bild macht neugierig, gibt Rätsel auf. So mache ich mich also an einem Wintertag auf den Weg nach Brühl, um es aus der Nähe zu betrachten. Das Bild befindet sich an einem Jakobus-Matthias-Altar in der Kirche St. Servatius in Brühl-Kierberg. Entstanden ist der Altar Mitte des 17. Jahrhunderts beim Meister Jacob aus Zülpich. Bevor der Altar nach Kierberg kam, stand er in St. Margareta (Brühl). Die Hinweise auf St. Servatius und St. Margareta konnte ich dankenswerterweise dem Buch ‘Wege der Jakobspilger im Rheinland’ (Band 2) entnehmen (siehe auch ‘Buchempfehlungen’). Das Bild auf dem Altar in St. Servatius zeigt Jakobus mit einer Pilgerin.

 
Jakobuspilgerin_Bruhl_St.Servatius

Wer ist die noble Pilgerin auf dem Bild? Das Pilgergewand ist schlicht und doch von einer gewissen Eleganz. Das Schultertuch ist reich verziert mit Muscheln und gekreuzten Pilgerstäben, wobei die gekreuzten Pilgerstäbe solo stehen und nicht mit der Muschel, wie auf Wappen, Siegeln und Jakobusdarstellungen oft üblich, belegt sind. Jakobus selbst hat auf dem Bild nur die Muschel (eine auf dem Schultertuch, eine auf der Kopfbedeckung, eine am Pilgerstab). Die gekreuzten Pilgerstäbe fehlen hier.

Muscheln und gekreuzte Pilgerstäbe finden sich auf dem niedergelegten Hut der Pilgerin wieder. Sie scheint auf den ersten Blick zu knien. Aber kniet sie ganz? Nein, vielmehr noch nicht. Das rechte gebeugte Knie ist höher als das linke. Das Bild verharrt in der Bewegung, lässt die Pilgerin also nicht ganz niederknien. Die Hände sind nicht vollständig gefaltet. Nur die Fingerkuppen berühren sich. Will uns der Maler Hinweise auf die vornehme Herkunft der Pilgerin geben? Auch ihre feinen Gesichtzüge – fast erinnern sie an die künstlerischen Kriterien einer ‚schönen Madonna’ – weisen darauf hin. Ist sie womöglich die Stifterin des Bildes bzw. des Altars? Ist die Stiftung ein Zeichen des Dankes - dafür dass sie die Reise nach Santiago erfolgreich bestanden hat?

Man ist bei dem Bild leider auf Vermutungen zurückgeworfen. Pilgerberichte waren um 1650 noch nicht so in Mode wie heute. Und solche von Frauen wären damals womöglich mit Missbilligung betrachtet worden. So scheint die Quellenlage also aussichtslos. Es ist einzig das Altarbild in St. Servatius, das Spuren hinterlässt und einige Rätsel und Fragen aufwirft, die aber allemal reizvoll sind für Spekulationen und auch die Phantasie.

Selbstverständlich sollte für den Jakobspilger auch die Kirche St. Margareta nicht fehlen mit dem neugotischen Hochaltar vom Ende des 19. Jahrhunderts. Die Kirche wurde Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut. Neben der Verehrung der Heiligen Margareta gibt es in Gestalt einer Holzskulptur auch eine Beziehung zu Jakobus.

 
Jakobus_Bruhl_St.Margareta

Die Jakobusfigur aus dem 19. Jahrhundert befindet sich allerdings nicht in der Kirche, sondern im Sitzungssaal des Pfarrhauses. Sie zeigt Jakobus nicht als Pilger – Muschel, Hut, Kalebasse fehlen -, sondern als Apostelmissionar mit Wanderstab und Bibel/Evangelium.

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Bonn, Januar 2010