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Auf den Spuren der ‘Rosa Mystica’ nach Buschhoven

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Buschhoven Spurensuche

Wer etwa von der Jakobus-Kirche in Gielsdorf südwestlich durch den Kottenforst wandert und den Weg am ‘Eisernen Mann’ vorbei Richtung Dünstekoven nimmt, stößt beim Verlassen des Waldes auf eine weite Ebene. Hier beginnt einer der schönsten Abschnitte der Bonner Jakobswege.

Buschhoven Spurensuche_III

Der Blick geht über Felder weit bis an den Horizont. Dort zieht sich die Hügelkette des Vorgebirges entlang, Wege verlaufen scheinbar in die Unendlichkeit, vermitteln wieder jenes abenteuerliche Unterwegssein, wie es der Jakobspilger kennt.

Buschhoven Kapelle
Marienkapelle am Ortseingang von Buschhoven

Man hält sich nun am Saum des Waldes Richtung Buschhoven, trifft hier kurz vor der Überquerung der B 56 und dem nachfolgenden Ortseingang auf eine Marienkapelle. Am Altar steht: “Der ‘Rosa Mystica’ zur Ehre...”.

Buschhoven Kapelle innen
Marienaltar in der Kapelle

Ein kleines Gemälde in der Kapelle weist auf die Geschichte hin, die sich der Legende nach im 12. Jahrhundert in der Nähe von Buschhoven abgespielt haben soll.

Buschhoven Kapelle Bild
Gemälde in der Marienkapelle

Da entdeckte der Ritter Wilhelm Schilling in einem Rosenstrauch eine Marienfigur, die er mit auf sein Schloss nach Bornheim nahm. Als er am nächsten Morgen ein Gebet vor der Figur verrichten wollte, war sie verschwunden. Darauf ritt er zu der Stelle, wo er sie gefunden hatte und entdeckte sie genau dort wieder, was ihn dazu veranlasste, hier ein Kloster (‘Schillingskapellen’) und eine Kapelle errichten zu lassen. So weit und so kurz die Legende. Die Marienfigur, da sie in einem Rosenstrauch gefunden worden war, bekam den Namen ‘Rosa Mystica’. Ritter Schilling unternahm eine Pilgerreise ins Heilige Land, brachte bei seiner Rückkehr zahlreiche Reliquien mit. Marienfigur und Reliquien ließen ‘Schillingskapellen’ bei Buschhoven zu einem bedeutenden Wallfahrtsort werden, der auf eine über achthundertjährige Tradition zurückblickt.

Rosa Mystica Buschhoven
Marienfigur ‘Rosa Mystica’

Die Marienfigur steht heute in der Buschhovener Wallfahrtskirche St. Katharina. Jedes Jahr am Sonntag vor dem Fest Johannes des Täufers wird von der Gemeinde das Rosenfest gefeiert. Am Abend vor dem Fest und während der Pilgerprozession wird hier noch die Tradition des sogenannten Glockenbeierns ausgeübt. Dabei schwingt die Glocke nicht wie beim herkömmlichen Läuten, sondern wird in festgelegten Rhythmen manuell angeschlagen.

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Gnadenbild in Marienbaum bei Xanten

Die Legende vom Auffinden der Marienfigur erinnert an das Marienbaumer Gnadenbild (Marienbaum bei Xanten). Hier folgt der Überlieferung nach im 15. Jahrhundert ein gelähmter Schafhirte einem Traumbild, findet in den Verästelungen einer Eiche eine Marienstatue und wird geheilt. Ein paar Jahre danach lässt der Clever Herzog eine Kapelle an dem Ort bauen. Wiederum ein paar Jahre später stiftet seine Gattin, Maria von Burgund, ein Kloster. Damit war nicht nur für die Marien-, sondern auch für die Jakobus-Verehrung ein besonderes Zeichen gesetzt. Denn die Namenspatronin des Klosters, Birgitta von Schweden, hatte selbst eine Wallfahrt nach Santiago unternommen. Den Ordensleuten in Marienbaum war es von daher ein besonderes Anliegen, Santiago-Pilger zu betreuen, von denen es heißt, sie seien ‚in großen Scharen’ gekommen.

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Marienstatue in Roncesvalles

Ein weiterer Ort mit einer ähnlichen Legende ist das spanische Roncesvalles. Hier rankt sich die Geschichte um die Statue ‚Unsere liebe Frau von Roncesvalles’. Die Statue befindet sich in der Marienkirche, einer dreischiffigen Basilika. Der Legende nach wurden im zehnten Jahrhundert Schäfer von einem Hirsch zu einer Quelle geführt, aus der eine geheimnisvolle Musik erklang. Der Vorgang wiederholte sich einige Male, wurde dem Bischof von Pamplona zugetragen, der es zunächst nicht glaubte, dann aber, nachdem ihn ein Traum heimgesucht hatte, an der Quelle graben ließ. Dabei entdeckte man die Statue. Die Skulptur, die sich heute in der Kirche befindet, ist allerdings 300 Jahre später in Toulouse geschaffen worden.

Buschhoven Jakobsmuschel
Jakobsmuschel aus Basalt (Evangelische Kirche, Buschhoven)

Dass ähnlich wie nach Marienbaum die mittelalterlichen Santiago-Pilger in Scharen auch nach Buschhoven geströmt sind, wird man annehmen dürfen. Auf die innere Verbindung zum Jakobsweg weist in Buschhoven eine Jakobsmuschel aus Basalt hin. Seit 2004 befindet sie sich an der Außenwand der Evangelischen Kirche, die von 1806 bis 1972 Wallfahrtskirche war und die Marienstatue ‘Rosa Mystica’ beherbergte. 1984 wurde sie evangelische Kirche.

Buschhoven Wappen
Buschhoven-Wappen am Toniusplatz

Was die Bonner Jakobswege betrifft, zählt Buschhoven, das auch als Ort sehr ansprechend ist, mit zu den Hauptattraktionen.

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siehe auch Artikel von Bernd Koldewey: Buschhoven - Die geheimnisvolle Rose am Jakobsweg

Bonn, 2. April 2009