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Paulo Coelho: Auf dem Jakobsweg 
Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela

 

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Coelhos Buch ist ein esoterischer Initiationsroman. Insofern hat es mit den üblichen Pilgerberichten nichts zu tun. Der genauere Untertitel müsste demnach auch lauten: ‚Tagebuch einer inneren Pilgerreise nach Santiago de Compostela’. Dabei ist das Innere mit dem Äußeren allerdings so geschickt verwoben, dass die Grenzen zwischen Fiktion und Realität aufgehoben sind, beide Bereiche ineinander fließen, womit der Roman in der Castañeda-Tradition steht. Wer das Buch ‚naiv’ liest, um Informationen über den Weg zu erhalten, dürfte eher abgeschreckt werden. Coelho beginnt in St. Jean Pied de Port und trifft schon nach drei Kilometern auf den ersten Dämon. Anschließend läuft er mit seinem Führer Petrus sieben Tage im Kreis, bevor er Roncesvalles erreicht. Dort begegnen ihm ‚Hexer’ und 'Muschelwunder'. Man sieht, das Buch ist also aus einer anderen Perspektive zu lesen als einer, die nach verbürgten Tatsächlichkeiten fragt. Symbole und Allegorien sind zu entschlüsseln. Der Weg als geografisches Ereignis tritt dabei in den Hintergrund.

Coelhos Roman ist der gelungene Geniestreich der Poesie, äußere und innere Phänomene miteinander zu einem literarischen Kunstwerk zu verbinden. Innere Erfahrungen werden in ein äußeres Bild gesetzt. Aber auf Coelhos Spuren den Jakobsweg gehen zu wollen, ist eine andere Geschichte. Paulo Coelho selbst äußerte in einem Interview dazu: "Wenn man sich entscheidet, eine Pilgerreise zu machen, dann ist das gut. Wenn man aber versucht, meine Pilgerreise zu machen, dann verschwendet man seine Zeit."

Paulo Coelho, Auf dem Jakobsweg, 270 Seiten

20. April 2008