|
Windfahne des früheren Klosters
Ein alter Pilgerweg führte sozusagen von Pilgerhospital zu Pilgerhospital, und zwar von Bonn nach Essig zum früheren Kloster Marienstern, das ebenfalls ein bedeutendes Jakobushospital war. In Essig verband sich der Weg dann mit der Krönungsstraße nach Aachen.
Das ehemalige Bonner Pilgerhospital (Zeichnung von M. Frickel, 1899)
Der Weg führt über Lessenich, Gielsdorf und Miel nach Essig. Es empfiehlt sich ein kleiner Umweg über Morenhoven mit seiner schönen Kirche St. Nikolaus.
Lessenich, St. Laurentius
In Lessenich liegt mit St. Laurentius die älteste Kirche des Bonner Umlandes. Ursprünglich war es eine Saalkirche (11. Jh.). Um 1200 wurden Chorturm und ein nördliches Seitenschiff angebaut. Mitte des 13. Jh. kam ein südliches Seitenschiff hinzu, das 1650 abgebrochen und 1965 rekonstruiert wurde. Pfarrhaus und Pfarrhof sind von 1780. In der Kirche sind noch Reste von Freskomalereien zu sehen. St. Laurentius wurde auf dem Boden einer ehemaligen römisch- keltischen Kultstätte erbaut.
Lessenich, St. Laurentius (ehemaliger barocker Hochaltar mit einem Bildnis des Heiligen)
Über Gielsdorf und die Kirche St. Jakobus mit ihren Fresken zum Hühnerwunder und ihren Jakobusfiguren haben wir schon berichtet (siehe hierzu >>>). Von der Gielsdorfer Kirche führt der Weg durch den Kottenforst zum Eisernen Mann und dann bei Buschhoven in die Swisttalebene am ehemaligen Kloster Schillingskapellen vorbei.
Morenhoven, St. Nikolaus
Die Kirche St. Nikolaus in Morenhoven ist in der Regel geöffnet. Vorsicht aber beim Fotografieren der schönen Objekte. Die Alarmanlage ist sehr sensibel. Die Kamera ein bisschen zu nahe gerückt an die Figuren, geht ein ohrenbetäubendes Pfeifen los und man darf sich etwas später mit der Polizei unterhalten.
Marienaltar, St.Nikolaus, Morenhoven
Ort und Kirche haben eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Ehemals befand sich hier eine Kreuzung zweier Römerstraßen und eine römische Militärstation. Benediktinermönche aus Prüm gründeten in Morenhoven schon zur Zeit der Christianisierung eine dem Heiligen Nikolaus geweihte Kapelle. Für die Wallfahrer von Walberberg zum Heiligen Matthias nach Trier war Morenhoven mit der Nikolauskapelle die erste Pilgerstation.
alter Beichtstuhl, St. Nikolaus, Morenhoven
Im 17. Jahrhundert wurde der Ort von der Pest heimgesucht, die bis auf zwei Familien alle Einwohner hinwegraffte. Aus diesem Jahrhundert der Heimsuchung stammen an vielen Orten auch die Rochusfiguren, die vor der Seuche schützen sollten. Die alte Kirche bzw. das Kirchlein wurde 1826 abgebrochen und neu gebaut.
Orgel, St. Nikolaus, Morenhoven
Artilleriebeschuss im Zweiten Weltkrieg beschädigte die Kirche schwer, so dass sie renoviert und restauriert werden musste. Diese Informationen entnehmen wir dem kleinen Kirchenführer von Karl-August Gunst.
durch das Swisttal
Von Morenhoven führt der Weg eine Strecke an der Swist entlang, bis man nach ein paar Kilometern nach Miel kommt und dort am Schloss vorbei parallel zur B56 über die Felder wandert.
Schloss Miel
In der Nähe von Schloss Miel stößt man mehrfach auf Schilder, die Lebensgefahr verkünden und vor frei fliegenden Golfbällen warnen. Hat man Ludendorf erreicht, ist man aber in Sicherheit. Nun ist es nur noch ein guter Kilometer nach Essig und zum ehemaligen Kloster und Pilgerhospital Marienstern (gegründet 1432, säkularisiert 1802).
Gedenktafel am ehemaligen Kloster
Heute beherbergt das frühere Kloster eine Baumschule. Die Windfahne mit dem siebenzackigen Marienstern und dem jakobäischen Lilienkreuz ist erhalten geblieben.
Hauptgebäude des ehemaligen Klosters
Die gesamte Pilgerstrecke beträgt etwa 20 Kilometer. Von Essig aus gelangt man nach nur einem Kilometer zum Bahnhof Odendorf und kann von hier die Rückfahrt nach Bonn antreten.
Bonn, März 2010
|