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Fulda - Startpunkt für den Jakobsweg durch die Region Vogelsberg

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Fulda, Dom

 

St. Michaelskirche, Fulda

Fulda ist Start- bzw. auch Endpunkt für mehrere Pilgerwege. Zwei Jakobswege führen in die umliegende Region. Einer südwestlich nach Frankfurt, der andere westlich durch das Gebiet Hoher Vogelsberg nach Herbstein, Schotten und Hungen und von dort aus weiter entweder nach Münzenberg oder auch sinnvollerweise in den Jakobsort Friedberg-Ockstadt.
 

Bonifatiusfigur (links), Konventsbau

Jacobus Maior, Fulda, Stadtkirche

In Fulda endet auch der Bonifatiusweg. Die heute gehbare, moderne Route entspricht in ihrem Verlauf allerdings nicht genau dem historischen Weg, also jener Strecke, auf der 754 der Leichnam des ‚Apostels der Deutschen’ von Mainz-Hochheim nach Fulda überführt wurde. Sie ist dem damaligen Verlauf aber angenähert. Was ja auch bei den Jakobswegen in der Regel der Fall ist, da Zersiedelungen und Landschaftsveränderungen das exakte Nachfolgen historischer Routen unmöglich machen.
 

Jacobus Maior, Fulda, Dom

spätgotische Schutzmantelmadonna,
Fulda, Dom

Wer in Fulda den Jakobsweg durch den Hohen Vogelsberg beginnt – nach meinem Empfinden einer der schönsten Abschnitte im Netz der deutschen Jakobswege – sollte sich für die Stadt mit ihren vielen barocken Bauten Zeit nehmen. Wahrzeichen ist der Dom von Fulda mit der Bonifatiuskrypta. Der Dom ist die bedeutendste Barockkirche Hessens. Jakobspilger treffen hier auf eine Statue ihres Pilgerpatrons in klassisch schönem Stil. Sie ist, da nur durch Pilgerstab gekennzeichnet, nicht leicht zu erkennen. Man findet sie im nördlichen Querschiff am Sturmiusaltar in der linken (vom Betrachter aus gesehen) oberen Figurennische. In der nahe gelegenen Stadtkirche dagegen ist Jacobus Maior mit eindeutigen ikonographischen Attributen versehen. Die Figur, die man mit Muschel und Pilgerstab im südlichen Seitenschiff des Domes antrifft, ist St. Rochus, leicht von Jakobus zu unterscheiden durch den Hund und die Geste der Gewandsraffung, um auf eine verbliebene Wunde zu deuten.
 

Fulda, Dom

Orgel, Fulda, Dom

Es würde den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen, all die Sehenswürdigkeiten hier aufzuführen. Jakobspilger aber sollten noch die romanische Michaelskirche besuchen, die in den Jahren 819 bis 822 als Kapelle des ehemaligen Mönchsfriedhofs des Benediktinerklosters Fulda entstanden ist. Die Michaelskirche besaß im Mittelalter Reliquien vom Grab des hl. Jakobus. In der Kirche trifft man auch auf eine Jakobusfigur in vollem Pilgerornat. Weitere Jakobusfiguren kann man sich im Dommuseum anschauen. Hier ist auch der Raum einer ehemaligen Jakobuskapelle zugänglich, die im Zuge der Säkularisation profanisiert worden ist. Man hat den Kapellenraum in das Museum integriert. Diese Kapelle war die Nachfolgerin einer früheren mittelalterlichen Jakobuskapelle, in der man sogar eine Nachbildung des Hühnerkäfigs von Santo Domingo de Calcada besaß. Diese Kapelle befand sich neben der Ratgar-Basilika, dem Vorgängerbau des Doms zu Fulda.
 

Dommuseum, Fulda

Straßenszene, Fulda

Fulda ist ein ganz besonderer Startpunkt für den Jakobsweg durch die Region Vogelsberg. Die Stadt hat in der Geschichte des Jakobsweges stets eine bedeutende Rolle gespielt und einige Fuldaer Äbte und Bischöfe sind sogar nach Santiago de Compostela gepilgert.

 

 

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Bonn, April 2012