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Bernd Koldewey auf dem Weg nach Gielsdorf
Vor einigen Jahrhunderten noch lag Bonn sozusagen im Schnittpunkt mehrerer Pilgerrouten, die dann weiter über Trier oder Aachen Richtung Santiago de Compostela führten. Eine Stele auf dem Bonner Friedensplatz, 2003 aufgestellt vom Landschaftsverband Rheinland, erinnert daran.
Jakobus-Stele in Bonn, Friedensplatz
Die Spuren der Jakobusverehrung im Bonner Raum sind immer noch recht zahlreich. Eine der herausragendsten sind die Fresken in der Gielsdorfer St.-Jakobus-Kapelle. Gielsdorf, das zu dem größeren Ort Alfter gehört, liegt nur ein paar Kilometer westlich von Bonn.
St. Jakobus, Gielsdorf
So kurz wollen wir uns den Anlauf an einem Donnerstag im Januar aber nicht machen und vor allem auch die Zersiedelungen ringsum Bonn vermeiden. Von Bonn-Duisdorf aus fahren Bernd Koldewey und ich mit dem Zug bis zur nächsten Station nach Witterschlick, wandern bei wunderbarem Winterwetter in einem weiten östlichen Bogen zum Bahnhof Kottenforst.
Winterlandschaft bei Heidgen
Der Weg führt über stille Straßen und einsame Feldwege. Es ist kalt, der Himmel strahlend blau. Im Schnee zu wandern, vermittelt ein noch etwas anderes Pilgergefühl als im Sommer 2008 auf der französischen via podiensis oder der spanischen Meseta, durch deren glühende Hitze Bernd Koldewey gepilgert ist.
Bahnhof Kottenforst
Schön ist es auf jeden Fall. Die Winterlandschaft entrückt noch mehr der üblichen, alltäglichen Geschäftigkeit. Auf dem Jakobsweg sind wir wieder eingetaucht in eine andere Welt. Groß wäre die Lust, im Schnee ein Biwak aufzuschlagen und nachts den Schleier der Milchstraße zu sehen, wie sie sich nach Santiago hinzieht. Zu einem wahrhaft poetischen Hochgefühl steigert sich das am verschneiten Bahnhof Kottenforst. Die Züge rauschen hier vorbei. Nur am Wochenende hält gelegentlich einer.
Still-Leben am Bahnhof
Wir genehmigen uns ein kleines Sektfrühstück. St. Jakob ist einverstanden. Manchmal fegt ein Windstoß über das Dach, löst Wolken glitzernder Schneekristalle, die auf uns herabrieseln. Irgendwann fährt ein gelbes Auto vor. Eine Postbeamtin steigt aus. Die Station besitzt einen Briefkasten. Die junge Dame öffnet ihn, scannt mit einem Lesegerät den Strichcode innen auf der Klappe, schließt sie wieder. “Leer wir immer”, sagt sie mit einem Schulterzucken und fährt davon. “Da ist demnächst eine Karte drin”, denke ich. “Von einem nahezu stillgelegten Bahnhof zu schreiben, ist etwas Besonderes.” Ein Zitat von Dante wird darauf stehen - “ch’avete intelletto d’amore”. An wen?
Pilgerzeichen in Gielsdorf
Gestärkt und fröhlich geht es in der Winterlandschaft über Heidgen und nochmals Witterschlick nach Nettekoven, Impekoven, Oedekoven. Über eine Anhöhe und dann wieder abwärts erreichen wir die St.-Jakobus-Kirche in Gielsdorf. Es ist später Nachmittag. Der aus Tuff und Trachyt gebaute Turm glänzt rot in der Abendsonne. Die Kirche ist verschlossen und damit auch die alte Kapelle an der Nordseite. Nichts also mit der Besichtigung der Fresken!
Dr. Paleczek (rechts) und Bernd Koldewey in der Kapelle
An dieser Stelle gilt besonderer Dank Herrn Dr. Paleczek, der auf unseren Notruf hin spontan zur Kirche fuhr, die Tür des Turms öffnete und dann den Zugang zur Kapelle. Seine fachkundige Führung durch Kapelle und Kirche war die unverhoffte Belohnung für den Weg des Tages.
Die Wandmalereien in der Gielsdorfer St.-Jakobus-Kapelle sind im Jahr 1492 entstanden. Der Meister ist unbekannt. Vermutlich stammt er aus der Kölner Schule. In drei Zyklen sind insgesamt 32 Abbildungen angeordnet. Zwölf Szenen an der Nordwand des Chores stellen Begebenheiten der Jakobuslegende dar. Im Chorabschluss zeigen acht Bilder die Passion und Auferstehung Christi. An der südlichen Wand finden sich zwölf Szenen aus dem Leben und dem Martyrium der Hl. Margarethe, die neben Jakobus Pfarrpatronin ist.
Hühnerwunder
Was die Szenen aus der Jakobuslegende betrifft, so sind drei Abbildungen ganz zerstört, sechs sind in Teilen erhalten, darunter auch das berühmte Hühnerwunder von Santo Domingo de Calzada (Spanien). Man kann hier gerade noch ein paar hochflatternde Hühner erkennen.
Bernd Koldewey am ursprünglichen Ort der Legende, in Santo Domingo de Calzada (Spanien) Foto: Bernd Koldewey, Sept. 2008
Sehr gut erhalten aber ist etwa die Szene mit der Bekehrung des Zauberers Hermogenes durch den Heiligen Jakob. Die Geschichte findet sich in der Legendensammlung des Jacobus de Voragine, der mit seiner ‘Legenda aurea’ das populärste Volksbuch des Mittelalters verfasst hatte.
Jakobus bekehrt den Zauberer Hermogenes
Eine Figur des Hl. Jakobus findet sich an einer Säule im Kirchenschiff. Das Kunstwerk ist um 1500 entstanden, zeigt den Heiligen im Gewand mittelalterlicher Pilger. In der linken Hand hält er die Bibel, rechts das Schwert als Zeichen seiner Enthauptung.
Jakobusfigur, um 1500
Eine weitere Jakobusdarstellung ist auf der linken Seite des neugotischen Hauptaltars zu sehen (entstanden 1879/81).
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