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Graurheindorf – Jakobusfigur und Rheinübergang

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

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Jakobusfigur, St. Margareta, Graurheindorf

Wo setzten die Pilger, die das Siegtal entlang gewandert waren, über den Rhein? Man wird zunächst auf Schwarzrheindorf tippen. Einmal wegen der Doppelkirche, die Pilgern Zuflucht bot. Und dann auch wegen des Jakobus-Reliefs im Wichelshof, der auf der anderen Rheinseite der Doppelkirche in etwa gegenüberliegt. Dieses Relief weist auf einen Übergang bei Schwarzrheindorf hin. Siehe hierzu >>>.

Graurheindorf_Ansicht
Graurheindorf mit der Kirche St. Margareta (von der Siegmündung aus gesehen)

Man darf aber auch über eine andere Möglichkeit spekulieren. Direkt gegenüber der Siegmündung liegt Graurheindorf. Dieser Ort ist seit genau 200 Jahren ein nördlicher Stadtteil Bonns. Die Bezeichnung ‚grau’ rührt von der Tracht der Zisterzienserinnen her, die damals in diesem Ort ihr Kloster hatten. Ihr Habit war grau. Die Benediktinerinnen in Schwarzrheindorf trugen eine schwarze Tracht. Soviel zu den Ortsnamen mit den merkwürdigen Farbadjektiven.

Pfaffenmütze
Die ehemalige ‘Pfaffenmütze’ zwischen Siegmündung und Graurheindorf
(Kupferstich aus ‘Merian’)

Das Zisterzienserinnen-Kloster in Graurheindorf bestand seit 1149. Es wird gewiss auch Anlaufstation für Jakobspilger gewesen sein, zumal sich hier wegen des Siegdeltas eine günstige Möglichkeit zur Rheinüberquerung bot. Es gab mehrere Inseln im Siegdelta und wegen der Verflachung des Bettes auch im Rhein. Die wohl berühmteste oder auch berüchtigste war die sogenannte ‚Pfaffenmütze’. Das war eine Festung auf zwei Rheininseln zwischen Siegmündung und Graurheindorf. Pfaffenmütze heißt die Festung wegen ihrer Form. Besetzt war sie von 3000 niederländischen Soldaten, die die Bevölkerung drangsalierten. Nach vier Jahren wurden sie von Spaniern vertrieben. Aber die waren zur Bevölkerung auch nicht freundlicher. Diese Geschichte spielte sich im Dreißigjährigen Krieg ab, zu Anfang des 17. Jahrhunderts. Für unsere Betrachtung ist die Pfaffenmütze insofern von Bedeutung, weil sie die Möglichkeit eines flachen Rheinübergangs nach Graurheindorf nahelegt.

Siegmündung
Siegmündung

Es mag Zufall sein oder auch nicht, dass ausgerechnet die Graurheindorfer Pfarrkirche St. Margareta eine Jakobusfigur besitzt. Dies könnte ein Hinweis auf eine gewisse Pilgerfrequenz sein. Es war leider nicht in Erfahrung zu bringen, warum sich ausgerechnet eine Jakobusfigur (Jakobus als Pilger) in der Kirche befindet. Die Figur ist aus Lindenholz geschnitzt, wurde von einem Klever Bildhauer Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffen. Was war das Motiv für diese Figur? Wer hat sie warum veranlasst?

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St. Margareta, Graurheindorf

Über das ‘Warum’ ließ sich auch in dem Buch von Karl Hoch (‚Graurheindorf – Heimatbuch eines Bonner Vorortes’, Bonn 1949) nichts Näheres herausfinden. Für die Einsicht in dieses vergriffene Buch sowie auch für die Öffnung der Kirche danke ich an dieser Stelle der ehemaligen Küsterin von St. Margareta, Frau Lohmer. Was Graurheindorf und die Jakobspilger betrifft, liegt die Vermutung nahe, dass Pilger, die vom Siegtal her kamen, bei Graurheindorf eine gute Übergangsmöglichkeit gefunden haben und auf der Graurheindorfer Seite eine freundliche Aufnahme. Die Jakobusfigur in St. Margareta könnte ein Hinweis darauf sein. Derjenige, der sie von dem Klever Künstler für die Kirche St. Margareta hat anfertigen lassen, hat diesen Auftrag womöglich im Wissen um eine alte Tradition Graurheindorfs gegeben.

Den Hinweis auf die schöne Jakobusfigur in St. Margareta verdanken wir Karl-Josef Schäfer und seinem Bericht über den Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels.

Bonn, September 2009