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St. Kunibert in Gymnich

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

St. Kunibert, Gymnich

Jakobusbrunnen, Gymnich

Eine weitere Jakobusspur im westlichen Raum zwischen Köln und Bonn gibt es in Gymnich (bei Erftstadt). Es darf vermutet werden, dass es neben der bekannten Jakobswegroute von Köln über Brühl nach Euskirchen auch eine in etwa parallel verlaufende Strecke von Köln über Gymnich nach Zülpich gab. Denn auch in Zülpich findet sich in St. Peter eine weitere Jakobusspur. Gymnich könnte am so genannten Wipperfürther Weg gelegen haben, der von Soest über Lüdenscheid, Wipperfürth und Köln nach Luxemburg führte. Dieser Weg wird auch als Heerweg bezeichnet.   

Die Kirche St. Kunibert in Gymnich geht mindestens auf das 13. Jahrhundert zurück. Hier wird sie im Zusammenhang mit der Abtei Siegburg, die das Kollationsrecht  (Vorschlagsrecht für den Kandidaten eines geistlichen Amtes) besaß, zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Der Jakobusbrunnen vor der Kirche ist neueren Datums. Er wurde 1984 gebaut und soll wohl auf die alte Jakobustradition des Ortes verweisen. Die Kirche besaß früher einen Jakobusaltar, und der damalige Schlossherr, Johann von Gymnich, hatte urkundlich bezeugt eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela versprochen. So findet sich auch nicht von ungefähr in der Kapelle des Gymnicher Schlosses ein Jakobusfenster (diese Informationen verdanke ich dem bereits mehrfach erwähnten Buch ‚Santiago liegt bei Bonn’).
 

Jakobus der Ältere, St. Kunibert, Gymnich

St. Rochus, St. Kunibert, Gymnich

Die Jakobusfigur in der Kirche St. Kunibert, rechts im Altarbereich, dürfte mindestens auf das 17. Jahrhundert zurückgehen. Auffallend ist auch die Verehrung von St. Rochus, ebenfalls mit Pilgerstab und Muschel dargestellt, aber von Jakobus dem Älteren bekanntlich unterschieden durch die Geste der Gewandsraffung und durch das Hindeuten auf eine verbliebene Pestwunde. Eine Rochusfigur gibt es in der Kirche gleich zweimal.
 

St. Kunibert, Gymnich

Marienaltar, St. Kunibert, Gymnich

Ein überregional bekanntes Brauchtum ist der Gymnicher Ritt, eine Reiterprozession, die jährlich an Christi Himmelfahrt stattfindet. Sie geht zurück auf das Gelöbnis des Ritters Arnold von Gymnich, der am Kreuzzug von Damiette (1217-1221) teilgenommen hatte. Ritter Arnold war der Legende nach mit seinem Pferd in einen Sumpf geraten und hatte für den Fall seiner Rettung einen jährlichen Ritt um Gymnich versprochen. Im Moment des Gelöbnisses flatterte ein Schilfhuhn auf und erschreckte das Pferd dermaßen, dass es sich noch einmal aufbäumte und aus dem Sumpf freikam.

 

 

Bonn, April 2013