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Arnold von Harff

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

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Pilger zur Zeit Arnold von Harffs
(Ausstellung Villa Erckens)

Eine Ausstellung, deren Wiederholung man sich wünscht, war 2008 im Museum Villa Erckens in Grevenbroich zu sehen. Es ging um die Pilgerfahrt des rheinischen Ritters Arnold von Harff.

Titel der Ausstellung: ‚Arnold von Harff: Ritter – Pilger – Dichter’. Seine Pilgerreise hat zwei Jahre gedauert, von 1496 bis 1498, führte ihn von Köln nach Rom, dann weiter nach Jerusalem und dann erst nach Santiago de Compostela. Er hat ein Pilgertagebuch hinterlassen, das zunächst handschriftlich weitertradiert wurde, 1860 im Druck erschien und 2007 in neuhoch-deutscher Transkription neu publiziert wurde (siehe Literatur unten).

Ritter – Pilger –Dichter. Man hat ein einzigartiges Pilgertagebuch vorliegen. Als Ritter, also von ‘höherem Stand und Einkommen’ pilgert er mit dem Komfort eines Hape Kerkeling, allerdings unter mittelalterlichen Verhältnissen und damit auch unter großen Gefahren und mit erheblichem Ungemach. Als Dichter vermag er seinen ‚Reisebericht’ auszuschmücken. Man findet Einschübe über Amazonen, den Venusberg und allerlei andere abenteuerliche Dinge. Als Pilger ist er fromm, um Ablässe bemüht, kaum eine Kirche lässt er aus, zugleich aber zeigt er auch eine gewisse Skepsis. Er will wissen, wo der ‚wahre Jakob’ ist. In Toulouse oder in Santiago. Beide Orte erheben Anspruch darauf. Mit seinem in Santiago geäußerten Wunsch, man möge ihm die heiligen Gebeine zeigen, begibt er sich in große Gefahr.

Harff: €žMan gab mir zur Antwort, wer nicht wirklich glaube, dass der heilige Körper St. Jakobs des Älteren Apostels in dem Hochaltar liege und daran zweifele, dass der Körper dort sein werde, der müsse von Stund an verrückt werden wie ein tollwütiger Hund. Damit hatte ich Auskunft genug...”.

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Jakobsmuschel mit Erdprobe von Finisterre
(Ausstellung Villa Erckens)

Wie gefährlich Pilgerreisen zur damaligen Zeit sind, zeigt sich an mehreren Ereignissen. So gerät sein Schiff zum Beispiel vor Rhodos in einen Seesturm, in Gaza verbringt er drei Wochen in Ketten, bei Burgos in Spanien wird er überfallen. Zwei Pilger seiner Gesellschaft werden erschlagen, ihm selbst und einem Begleiter gelingt die Flucht.

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Venezianischer Einkauf
(Ausstellung Villa Erckens)

Die Grevenbroicher Ausstellung machte mittelalterliches Pilgern sehr schön anschaulich. So sieht man u.a. eine Einkaufsliste Arnold von Harffs in Venedig, wo er all die Dinge einkauft, die er für die Schiffsreise nach Kreta, Rhodos, Alexandria braucht.

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Hühnerkorb
(Ausstellung Villa Erckens)

Ein ‚heidnisches Gewand’ zum Beispiel, zwei ‚Tönnchen’ mit italienischem Wein, eine Handschüssel zum Speien und Urinieren, einen Hühnerkorb, um Hühner kaufen und ‚frischhalten’ zu können und vieles, vieles mehr. Darüber führt er getreulich Tagebuch und listet alles auf. Auch hat er einen ‚Trutschelman’ dabei, einen Dolmetscher, damit er sich im ‚Heidenland’ gut verständigen kann.

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mittelalterliche Kerzenuhr
(Ausstellung Villa Erckens)

Es war eine Reise, die viel Mut abverlangte und deren gutes Ende völlig ungewiss war. Und es war zu dieser Zeit ein einzigartiges Unternehmen, obgleich auch damals schon ein gewisser Pilgertourismus vorhanden ist, vor allem auf der Strecke ins Heilige Land. Die venezianischen Behörden verdienten daran, das Mamlukenkonsulat in Kairo und auch die Franziskaner in Jerusalem. Es werden aber nicht viele gewesen sein, die eine solch ausgedehnte Reise unternahmen und dann auch noch der Nachwelt ein Pilgertagebuch hinterlassen konnten. Den Weg nach Santiago hat er übrigens von Jerusalem aus auf dem Landweg unternommen. Von Jerusalem nach Damaskus und Beirut, dann Konya und Konstantinopel und durch den Balkan nach Venedig. Über Nimes, Roncevalles und Burgos, also auf einer ‚klassischen’ Jakobsstrecke, erreicht er Santiago. Auch den Abstecher nach Finisterre lässt er nicht aus. Über Burgos, Bordeaux, Rennes, Paris und Brüssel geht es zurück nach Köln.

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Reise-Sonnenuhr
(Ausstellung Villa Erckens)

Arnold von Harff hat sein gefährliches Abenteuer mit Bavour überstanden, ist aber zu Hause von einem frühen Tod heimgesucht worden. Da ist er gerade 35 Jahre. Sein Grab ist verschollen. Als Denkmal seines Lebens und seiner Reise befindet sich aber ein Grabstein in der katholischen Pfarrkirche zu Lövenich bei Erkelenz.

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mittelalterliche Wanderschuhe
(Ausstellung Villa Erckens)

Die Grevenbroicher Ausstellung, ein Projekt der Heinrich Heine Universität Düsseldorf und der Stadt Grevenbroich, hatte zahlreiche Kostbarkeiten zusammengetragen, die damaliges Pilgern anschaulich machten.

Literatur:

Helmut Brall-Tuchel, Folker Reichert: Rom, Jerusalem, Santiago – das Pilgertagebuch des Ritters Arnold von Harff, Böhlau Verlag 2007 (nach dem Text der Ausgabe von Eberhard von Groote übersetzt, kommentiert und eingeleitet von Helmut Brall-Tuchel und Folker Reichert, mit den Abbildungen der Handschrift 268 der Benediktinerabtei Maria Laach und zahlreichen anderen Abbildungen)