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Horizonte

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 


Hinter Salas entfaltet der Weg seine ganze Schönheit. Es ist der wohl beeindruckendste Abschnitt des Camino Primitivo. Was nicht bedeuten soll, dass die anderen Etappen nicht auch ihren besonderen Charme hätten. Aber hier fasziniert besonders die Weite des Panoramas. Die entfernt und doch zum Greifen nahe liegenden Berge, die Täler mit ihrem satten Grün, der Himmel, der sich blau darüber wölbt. Die Erde ist wie eine Scheibe und der Horizont ringsum allgegenwärtig. Weite und Freiheit und darüber das Spiel der Wolken. Endlich ist man befreit von all den Konturen, die uns normalerweise den Blick auf den Himmel zustellen, ist man doch in der Stadt nicht von Weite, sondern von hochragenden Rechtecken umgeben, die uns den Blick auf den Himmel zustellen und allenfalls schmale Ausschnitte zulassen. Das Auge erfreut sich, die Seele atmet auf, als entließe man einen Vogel endlich aus dem Käfig. Und tritt man in klaren Nächten aus dem Zelt, so sieht man das Band der Milchstraße und ein von Sternen flimmerndes Firmament. So ist das Pilgern auch ein Beziehungsangebot zur Weite, zum Aufbruch aus der Perspektivlosigkeit. Sinnbild hierfür sind die Wege und die Horizonte.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bonn, Mai 2013