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Ein besonderes Zeugnis der Jakobusverehrung - Das Altarbild von Hattenrod

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 
Altarbild evangelische Kirche Hattenrod, Detail mit Jacobus Maior

Ein wenig bekanntes, aber für die Gegend umso bemerkenswerteres Zeugnis der Jakobusverehrung findet sich im hessischen Hattenrod bei Reiskirchen. Der Ort liegt auf einer Ost-West-Achse Fulda-Wetzlar, was durchaus ein Indiz dafür sein könnte, dass es für die Jakobspilger auf einer Variante der Via Regia auch eine Route von Fulda über Wetzlar nach Trier gegeben hat. Nur wenige Kilometer von Hattenrod entfernt führte damals auch eine Alternative des Handelsweges Leipzig-Frankfurt, die als „die kurzen Hessen“ bekannt war. Am so genannten Hessenbrückenhammer, einer Furt, die zwischen Ettingshausen und Wetterfeld liegt (von beiden Orten wird noch die Rede sein), führte der Weg über die Wetter nach Grünberg. Hattenrod liegt nur wenige Kilometer von den genannten Orten entfernt.

 
Der mittlere Teil des Triptychons

Bei dem Zeugnis für die Jakobusverehrung handelt es sich um ein Altarbild, ein Triptychon, das für die heute evangelische Kirche in Hattenrod gestiftet wurde. Stifter waren Graf Philipp von Solms und seine Frau Adriana, eine geborene Gräfin von Hanau. Die beiden sieht man auf dem mittleren Teil des Altarbildes zu Füßen des Kreuzes. Die Personen neben dem Kreuz sind Maria, Johannes, Antonius Abbas und eben Jacobus Maior. Dass man Jakobus mit aufgenommen hat, kann nur bedeuten, dass ihm als Schutzpatron der gräflichen Familie eine besondere Bedeutung zukam. Etwas Ähnliches, übrigens zeitgleich, findet sich auch bei dem dreiteiligen Altarbild des Gumprecht II. von Neuenahr, bei dem die gräfliche Familie ebenso unter dem besonderen Schutz von Jakobus steht. Das Bild, entstanden etwas später als 1484, findet sich heute in der mittelalterlichen Abteilung des Kölner Wallraf-Richartz-Museums (WRM 853). Eindringlich zeigt es die herausragende Bedeutung von Jakobus als Patron der gesamten gräflichen Familie. Man darf davon ausgehen, dass Jakobus als Schutzpatron gerade auch in adligen Kreisen sehr beliebt war, hatte doch die berühmte Pilgerreise des Arnold von Harff (1496-1498) für entsprechendes Aufsehen gesorgt.

 
Jacobus Maior (links), evangelische Kirche Ettingshausen

Die Hattenröder Kirche stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert, erhalten ist jedoch nur noch der Glockenturm von 1706.  Das Hattenröder Altarbild wird um 1500 entstanden sein, also noch in vorreformatorischer Zeit. Bemerkenswert ist, dass es in einem überwiegend evangelischen Gebiet die reformatorische Bilderstürmerei überlebt hat. Die schönsten, altehrwürdigsten Kirchen in diesem Gebiet wie überhaupt auf der Achse Fulda-Wetzlar sind evangelisch und dankenswerter Weise sind hier einige alte Schätze bewahrt worden. So zum Beispiel in der Liebfrauenkirche in Schotten, ebenso in Laubach oder Ober-Bessingen und ebenso auch in Ettingshausen, das nur vier Kilometer von Hattenrod entfernt liegt. Hier finden wir in der evangelischen Kirche (1260 als Wehrkirche gebaut) ein barockes Gemälde, das Jacobus Maior darstellt (an der Kanzel neben anderen Aposteln). Ãœber Entstehung und Alter dieses Gemäldes wird noch zu recherchieren sein.

 
Jacobus Maior, evangelische Kirche Wetterfeld

Nur ein paar Kilometer entfernt, und zwar in der evangelischen Kirche von Wetterfeld, findet der Jakobspilger wieder ein Gemälde seines Patrons. Dargestellt ist er neben anderen Aposteln und Heiligen. Auf einem der Bilder hat sich der Maler verewigt. Hier ist angegeben: “Elias Paul Niddanus Pinxit 1751” (Elias Paul aus Nidda hat es 1751 gemalt). Allerdings ist dem Maler bei dem Bild ein Irrtum unterlaufen. Es stellt nicht wie unter dem Bild angegeben Jakobus den Jüngeren dar, sondern eindeutig Jakobus den Älteren. Jakobus der Jüngere wird immer ohne Muschel und statt mit Pilgerstab meist mit einer Keule, dem Zeichen seines Martyriums, dargestellt.

Zwischen Laubach und Hattenrod, einer Strecke von nur zehn Kilometern, begegnet der Jakobspilger also drei Darstellungen seines Schutzpatrons. In Wetterfeld, in Ettingshausen und in Hattenrod, jeweils in den evangelischen Kirchen. Wichtigstes und bemerkenswertestes Zeugnis jakobäischer Verehrung ist natürlich das Hattenröder Altarbild. Weil es aus der vorreformatorischen Zeit stammt und weil es die Bedeutung von Jakobus als Patron in besonderer Weise herausstellt.
   

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Bonn, November 2011