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III - Von Kirn nach Trier

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

Felsenkreuz, Burgruine Hunolstein

Ausblick ins Dhrontal, Burgruine Hunolstein

Konnte man sich noch auf dem Weinwanderweg entlang der Nahe von Bingen nach Kirn die Etappen beliebig einteilen, da fast jeder Ort eine Übernachtungsmöglichkeit hatte, so ändern sich die Verhältnisse ab Kirn etwas. Die Strecke wird einsamer, bietet aber ebenso wie der Weinwanderweg eine Fülle schöner, natürlicher Landschaftsformen, Wälder, Täler, Berge. So wird etwa mit dem Erbeskopf (816 m) die höchste Erhebung in Rheinland Pfalz überstiegen. Die drei folgenden Etappen sind nun zu planen, und man tut gut daran, Proviant mitzunehmen. Die Gastwirtschaft in einem der kleineren Orte mag erst am späten Nachmittag geöffnet sein oder auch gar nicht. Die Kneipenkultur in den Dörfern verschwindet allmählich seit Einführung des Euros und des Rauchverbotes. Immer mehr Wirte machen dicht.

Von Kirn aus geht es westwärts weiter auf dem gut markierten Hunsrückhöhenweg. Die erste Etappe führt etwa 22 Kilometer nach Tiefenstein mit Übernachtungsmöglichkeiten. Die zweite über den Erbeskopf nach Deuselbach (24 km, Übernachtungsmöglichkeit). Mit der dritten beginnt ein besonderes Problem für diejenigen, die westwärts nach Trier wollen. Der Hunsrückhöhenweg verläuft nun nämlich nordwärts auf Bernkastel-Kues zu. Man müsste also sinnvollerweise vor Bernkastel-Kues auf einen anderen, nach Trier führenden Weg wechseln.
 

Markierung, Hunsrückhöhenweg

Markierung, Ausoniusweg

Hier bietet sich der Ausoniusweg an, der von Bingen nach Trier führt. Hunsrückhöhenweg und Ausoniusweg kreuzen sich bei Elzerath. Aber auch das ist noch zu weit nördlich. Ein Blick auf die Karte zeigt aber, dass sich bei Hunolstein Hunsrückhöhenweg und Ausoniusweg sehr nahe kommen. Von Hunolstein (Hunsrückhöhenweg) bis Haag (Ausoniusweg) sind es knapp drei Kilometer. Zwischen Hunolstein und Haag schiebt sich aber ein Bergrücken. Der Weg auf der Straße führt in einer ausladenden, 15 Kilometer langen Schleife über Morbach nach Haag und ist damit natürlich keine Möglichkeit. Kann man von Hunolstein über den Bergrücken nach Haag wandern? Diese Strecke wäre dann sozusagen das ‚Missing Link’ zwischen Hunsrückhöhenweg und Ausoniusweg, wenn man sich Richtung Trier orientiert und nicht zu weit nördlich abtriften will.

Da der Hunsrückhöhenweg schon ausführlich in der Literatur und im Internet beschrieben ist, sei hier diese Verbindungsmöglichkeit für diejenigen, die die Wege wechseln wollen, erstmals genauer vorgestellt.
 

Hinweisschild ‘Schülersmühle’

Anfang des Weges nach Haag

Blick von Burgruine Hunolstein, Haag links am Horizont

Weg kurz vor Haag

An der Burgruine Hunolstein, wohin der Hunsrückhöhenweg führt, verlässt man mit einem letzten Aussichtsblick über das Thal der Dhron diesen Höhenweg und folgt an der Burgruine dem Schild ‚Schülers Mühle’. Es geht auf einem asphaltierten Weg hinab. Nach etwa 500 Metern kommt eine Kreuzung von Wanderwegen. Zur sicheren Orientierung gibt es hier auch ein Hinweisschild ‚Haag’. Man bleibt geradeaus auf dem Hauptweg, der bergauf nach Haag führt (teils asphaltiert, teils Waldweg). Nach zwei Kilometern kann man dann die ersten Häuser von Haag sehen und den charakteristischen Kirchturm und kommt auf dem Kutscherweg in den Ort. Man könnte an der oben erwähnten Kreuzung auch dem Radwanderweg nach Gräfendhron folgen (5,5 km), das ebenfalls am Ausoniusweg liegt, würde dann aber die schöne Haager St. Kunibertkirche mit einem Jakobusrelief an der Orgelempore verpassen. Die Kirche ist geöffnet. Unmittelbar an der Kirche befindet sich auch das Zeichen für den Ausoniusweg. Von Haag geht es weiter nach Gräfendhron (5 km) mit Übernachtungsmöglichkeiten.
 

Altar, St. Kunibert, Haag

St. Jakobus, St. Kunibert, Haag

Die Strecke von Deuselbach, dem letzten Übernachtungsort auf dem Hunsrückhöhenweg bis Hunolstein beträgt 11 Kilometer. Von Hunolstein bis Haag sind es knapp drei Kilometer und dann von Haag nach Gräfendhron fünf. Man hat also eine Tagesetappe von 19 Kilometern.

Bis Trier ist es nun auf dem Ausoniusweg (seit 1.6.2013 auch als ‚Hunsrücker Jakobsweg’ eröffnet) nicht mehr weit. Die nächsten Stationen sind Fell (Gräfendhron-Fell, 16 km) und dann nach weiteren 13 Kilometern die Porta Nigra in Trier. Sportlich Ambitionierte könnten von Gräfendhron auch in einer Tagesetappe nach Trier durchgehen.

Mit dem Verbindungsstück Hunolstein-Haag ist also tatsächlich die Möglichkeit gegeben, von Bingen aus zunächst die Nahe entlang nach Trier zu gehen. Die Strecke ist zwar etwa 70 Kilometer länger als der meist linear verlaufende und archäologisch an den Römern orientierte Ausoniusweg, bietet aber ein abwechslungsreiches Pilgerabenteuer mit landschaftlichen und kulturellen Attraktionen und insbesondere der Möglichkeit, zahlreiche sakrale Orte (Guldental, Disibodenberg und vieles mehr) zu besuchen, ist also nicht nur eine Wanderstrecke. Für Leib und Seele ist auf dieser Tour gut gesorgt, und wer sich das Motto ‚Der Weg ist das Ziel’ zu eigen macht und etwas mehr Zeit mitbringt, dem sei dieser Weg bestens empfohlen (Gesamtlänge 190 Kilometer, acht bis zehn Tagesetappen oder wenn man will, eben auch mehr).

Wegeskizzen/Etappenübersicht >>>
 

Jacobus Maior, St. Irminen, Trier

Siehe zu der Strecke auch folgende Artikel:

‚Entlang der Nahe – I – Auf den Spuren der Hildegard von Bingen’ >>>
‚Entlang der Nahe – II – Vom Disibodenberg nach Kirn’ >>>
‚Jakobsort Guldental’ >>>
‚Jakobsort Stromberg’ >>>

 

 

Bonn, Juni 2013