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Koblenz – Pilgerort am Schnittpunkt der Wasserwege

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

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Jakobus, auf einem Tafelbild in St. Kastor, Koblenz

Die Bedeutung der Flüsse, insbesondere für die mittelalterlichen Pilger, ist bekannt. Der Fluss gab Orientierung und das Leben spielte sich hier in größerer Dichte ab. Koblenz hatte in dieser Hinsicht eine herausragende Stellung, lag es doch sozusagen am Schnittpunkt mehrerer Wasserwege. Unweit der Stadt mündet die Lahn in den Rhein, führte Pilger heran, die den Lahncamino gingen. Moselaufwärts konnte man von Koblenz dann weiter nach Trier ziehen.

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Moselmündung, ‘Deutsches Eck’’

So wundert es nicht, dass sich an der Moselmündung, am ‚Deutschen Eck’, früher ein Pilgerhospital befand. Die Straße ‘Am Alten Hospital’ kündet davon. Heute steht noch die Jakobuskapelle, die zur Heimat der Altkatholiken geworden ist.

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Jakobuskapelle, Koblenz

Zu besichtigen ist die Jakobuskapelle allerdings nur im Juli und August oder aber sonntags, wenn man an der Messe teilnimmt. Im Innern der kleinen Kirche steht eine moderne Jakobusskulptur aus Bronze.

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Basilika St. Kastor, Koblenz

Anlaufpunkt der Pilger war auch die Basilika St. Kastor, die gegenüber der Jakobuskapelle liegt. 836 wurde ein dem heiligen Kastor geweihtes Klerikerstift, ein einfacher Saalbau, gegründet. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde es zur Basilika ausgebaut, die das kulturelle und religiöse Zentrum von Koblenz wurde. Auch Jakobus hatte hier seinen Platz, wie man noch heute an einem Tafelbild der ehemaligen Chorschranke erkennen kann. Die Tafelbilder datieren vom Ende des 15. Jahrhunderts. Die Umrandung der Chorschranke ist aus dem 12. Jahrhundert.

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Jakobus, St. Kastor

Patron wurde der aus Aquitanien (heute Südfrankreich) stammende heilige Kastor, der zunächst nach Trier, dann nach Karden an der Mosel ging. Der Überlieferung nach soll er hier in einer Höhle gewohnt haben. Außer seiner Missionstätigkeit ist nicht viel aus seinem Leben bekannt. Gestorben ist er um das Jahr 400 in Karden.

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St. Kastor

Pilgerhospital und die reiche Stiftskirche St. Kastor dürften zahlreiche Pilger angezogen haben. Ebenso aber auch die ganz in der Nähe liegende Liebfrauenkirche und die Florinskirche. Die Anfänge der Liebfrauenkirche reichen ins 5./6. Jahrhundert zurück. Ursprünglich war sie eine spätantike Halle zur Zeit des Kaisers Valerian (346-375). Um 1170 erfolgte der Baubeginn des heutigen romanischen Teils. Die barocken Hauben der Türme, die als das Wahrzeichen von Koblenz gelten, wurden Ende des 17. Jahrhunderts aufgesetzt.

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Hauben, Liebfrauenkirche

Auf ein ähnlich hohes Alter wie die Liebfrauenkirche blickt auch die Florinskirche (ursprünglich Marienkirche) zurück. Hier lässt sich eine Kuriosität bewundern: Am Deckengewölbe Taufkapelle schwebt eine Kanonenkugel. Sie soll an die Beschießung der Kirche durch französische Truppen erinnern (1688). Eine Besichtigung ist zur Zeit nicht möglich, da die Kirche renoviert wird.

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Florinskirche

Das Gebiet an der Moselmündung war damals eine Pilgerattraktion par excellence. Ein Pilgerhospital, eine Jakobuskapelle, drei altehrwürdige Kirchen und dann eben der Fluss, die Mosel, deren Lauf der Orientierung Richtung Trier diente.

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St. Kastor, Eingangsportal der Basilika

Die erste Tagesetappe wird nach Treis-Karden geführt haben, dem Wirkungsort des heiligen Kastor, dessen Kirche man in Koblenz besucht und den man neben dem heiligen Jakob um Schutz für den weiten Weg nach Santiago gebeten hatte. 

Bonn, März 2010