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Die Fußfallstraße - Eine Station auf dem Jakobsweg von Marburg nach Köln

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

Weg zur Kirche St. Gereon, Köln-Merheim

Wer den Jakobsweg von Marburg nach Köln geht, folgt ab Siegen einem alten Pilgerweg, der so genannten ‚Brüderstraße’. Diese führt durch die rechtsrheinischen Vororte Brück, Kalk, Deutz und verläuft auch unmittelbar an Köln-Merheim vorbei. Der Jakobsweg von Marburg nach Köln ist bestens beschrieben in dem vom LVR herausgegebenen Buch ‚Wege der Jakobspilger’, Band V, könnte aber noch um das Merheimer Kapitel bereichert werden. Hier lohnt es sich, einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen.
 

Stele an der Fußfallstraße

Bildtafel ‘Die Flucht nach Ägypten’

So zunächst die Fußfallstraße, deren Name auf einen alten Prozessionsweg zurückgeht. Eine Stele mit Bildtafeln erinnert hier an eine alte und überregional bekannte Bittprozession. Diese Prozession war von der im 16. Jahrhundert gegründeten Merheimer ‚Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens’ initiiert worden und hatte als berühmte Stifter u.a. Papst Urban VIII und den Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern. Der Weg führte von der Herler Kapelle in Köln-Buchheim über die heutige Fußfallstraße zur Merheimer Pfarrkirche St. Gereon. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Bittprozession durchgeführt.
 

Pfarrkirche St. Gereon, Merheim

altes Pfarrhoftor

In der Kirche St. Gereon, deren Gründung bis in fränkische Zeit (7./8. Jahrhundert) zurückgeht, trifft der Pilger auch auf eine lebensgroße, aus Holz geschnitzte Figur seines Pilgerapostels. Jakobus der Ältere findet sich in einer Serie von Aposteldarstellungen gleich als erste Figur rechts (vom Eingang aus gesehen) auf einem Pfeiler.

Doch zunächst zur Kirche selbst. Dem fränkischen Vorgängerbau folgte eine romanische Kirche aus dem 11./12. Jahrhundert. 1820 wurde diese abgerissen und durch eine flach gedeckte Saalkirche ersetzt. Die wiederum wurde 1907 romanisierend umgebaut, Seitenschiffe wurden eingefügt und auf Säulen gestützt. Ein zu hoher Kirchturm musste 1939 wegen eines nahen Militärflughafens mit einem flachen Pyramidendach ausgestattet werden. Der Befehl zum Umbau dürfte wohl weniger an mangelnden Flugkünsten gelegen haben, sondern eher am üblichen Terror des Hitlerregimes gegenüber der Kirche.
 


Jakobus der Ältere, St. Gereon, Merheim

Marienfigur, St. Gereon, Merheim

Die Jakobusdarstellung ist ikonographisch ungewöhnlich. Stünde unten an dem Pfeiler, an dem die Figur oben steht, nicht der Name des Apostels, man würde es nicht erkennen. Üblicherweise wird Jakobus der Ältere mit Bibel, Pilgerstab, Hut, Kalebasse und insbesondere der Jakobsmuschel dargestellt. Es zeigt sich jedoch nur das auch für andere Apostel generelle Merkmal der Bibel, die Jakobus in der rechten Hand hält. In der linken hält er einen Beutel. Diese ikonographische Spezialität bedarf noch der weiteren Klärung. Was bedeutet dieser Beutel bei Jakobus dem Älteren? Eine Kalebasse jedenfalls ist es nicht.

Die Figur stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Kennzeichnung der anderen Apostel ist eindeutig. So etwa ist Petrus bekannterweise mit einem Schlüssel ausgestattet oder Andreas mit dem berühmten Andreaskreuz. Jakobus der Ältere aber gibt Rätsel auf. Ist der Beutel (Münzbeutel?) ein Symbol für himmlischen Gewinn, folgt man Jakobus bzw. der Botschaft der Bibel? Eine andere Möglichkeit einer Interpretation ist folgende: Jakobus hält in der rechten, höheren Hand die Bibel, in der linken, tieferen einen Geldbeutel. Dann könnte die Botschaft sein: Folge der Bibel und nicht dem schnöden Mammon! Solch eine Botschaft enthält z.B. der Jakobusbrief im Kapitel ‘Gericht über die Reichen’. Der Jakobusbrief lässt sich jedoch nicht Jakobus dem Älteren zuschreiben. Aber diese Interpretationen des Beutels bei Jakobus dem Älteren sind zunächst nur spekulativ. Unüblich ist die Jakobusdarstellung in der Merheimer Kirche St. Gereon auf jeden Fall.
 

‘Em ahle Kohberg’, Köln-Merheim

Grülshof, Köln-Merheim

Sehenswert sind in der Nähe der Fußfallstraße auch weitere Alt-Merheimer ‚Schätzchen’. So etwa der Gasthof ‚Em ahle Kohberg’ von 1665 an der Ecke Rüdiger- und Ostmerheimer Straße. Weiter am selben Ort auf einem kleinen Platz unter einer alten Linde ein Wegekreuz von 1764 und dann auch noch auf der Rüdigerstraße der Grülshof, dessen Ursprung ins frühe Mittelalter zurückreicht. Für den Pilger ist ein Besuch in Merheim auf jeden Fall ein weiteres lohnendes Ziel auf dem Jakobsweg von Marburg nach Köln.

 

Bonn, 25. Jan. 2013