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Die Kreuzbergkirche in Bonn

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Kreuzbergkirche

Der Bonner Kreuzberg war im Mittelalter einer der bedeutendsten rheinischen Wallfahrtsorte. So haben sich hier laut einer Chronik im Jahr 1429 fünfzigtausend Pilger eingefunden, was die damalige Einwohneranzahl Bonns um ein Vielfaches übertrifft. Die Pilger versammelten sich um ein Kreuz. Vermutlich stand es an der Stelle, wo später auch eine kleine neugotische Kapelle gebaut wurde. Eine Urkunde von 1627 gibt Hinweise darauf. Ausgrabungsarbeiten von 1879 bestätigten den Bau.

Scala Sancta
Scala Sancta

Die jetzige Kreuzbergkirche wurde im siebzehnten Jahrhundert gebaut. 1627 legte der Kölner Kurfürst-Erzbischof Ferdinand den Grundstein. Über hundert Jahre später stiftete der Erzbischof und Kurfürst Clemens August die Hl. Stiege, eine Nachbildung der römischen Scala Sancta, jener Treppe, die der Legende nach die Kaiserin Helena aus Jerusalem nach Rom bringen ließ. Es ist die Treppe, auf der einst Christus im Pilatuspalast hochschritt. Clemens August sorgte auch für die weitere Ausstattung der Kirche. Man darf, man muss davon ausgehen, dass mittelalterliche Jakobspilger auch den Bonner Kreuzberg besucht haben. Ebenso wird er in den späteren Jahrhunderten, als die Kirche schon stand, Station pilgernder Frömmigkeit gewesen sein. Der Weg vom Bonner Münster, das im Mittelalter über einen eigenen Jakobusaltar verfügte, ist nicht weit. Der Weg führt am Poppelsdorfer Schloss vorbei, dann geht es bald am Poppelsdorfer Friedhof vorbei nach oben auf den Kreuzberg.

Bonn Kreuzberg Panoramablick
Blick auf Bonn

Oben auf dem Berg eröffnet sich ein weites Panorama. Über Bonn nach Osten, zum Kölner Dom hin nach Norden und nach Westen in das Vorgebirge hinein.

Rochus
Rochusbild (zusammen mit St. Sebastian)

In der Kreuzbergkirche selbst wird man dem Zeichen der Muschel begegnen. Zwar ist es nicht Jakobus, der dargestellt wird, sondern der Heilige Rochus, der in seiner typischen Geste gemalt ist. Er rafft sein Gewand bis zum Oberschenkel hoch, so dass die verbliebene Pestwunde sichtbar wird. Auch der Hund mit einem Laib Brot im Maul fehlt nicht. Und natürlich ist auch wie bei den meisten Darstellungen die Muschel als Pilgerzeichen im Spiel. Das Gemälde ist eine Kopie nach dem spanischen Maler Bartolomé Esteban Murillo.

Maria Magdalena
Maria-Magdalena

Auch eine Kopie (ebenfalls Murillo) der Maria Magdalena ist in der Kirche. Mit Maria Magdalena und Rochus finden sich in der Kreuzbergkirche zwei Heilige, die den Jakobspilger insbesondere auf der französischen Via Podiensis allenthalben begleiten.

Kreuzbergkirche Marienbild
Marienbild

Betritt man die Kreuzbergkirche, so stößt man sofort auch auf eine Verbindung zu Lourdes. Das Marienbild rechts neben dem Eingang wurde 1904 von Bruder Damaszen (OFM) gemalt. Zur Erinnerung an die Erscheinung in Lourdes (1858) waren 1904 zehntausend Pilger auf den Kreuzberg gekommen.

Lourdes
Lourdes

Was Lourdes betrifft, sei hier am Rande auch ein Literaturtipp gegeben. Es ist Franz Werfels Roman ‘Das Lied von Bernadette’ (Fischer Taschenbuchverlag, 560 Seiten). Es ist ein Werk von herausragender literarischer Qualität.

Kreuzbergkirche_II
Kreuzbergkirche, Altarraum

Es ist nicht Aufgabe dieses Textes auf die Geschichte der Kreuzbergkirche im Einzelnen einzugehen. Aber für diejenigen, die auf Jakobusspuren den Bonner Raum durchwandern, ist dieses barocke Kleinod einfach ein Muss. 

Kreuzbergkirche Orgel
Kreuzbergkirche, Orgel

Kreuzbergkirche_Altan
Kreuzbergkirche, Altan mit Ecce-homo-Szene

Kreuzbergkirche Kanzel
Kreuzbergkirche, Kanzel

Kreuzbergkirche Fresko
Kreuzbergkirche, Fresko

Siehe auch Artikel von Bernd Koldewey ‘Bonn und der Kreuzberg’ >>>

Bonn, 18.3.2009