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Von Linz nach Rheinbrohl

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Wegeskizze (nicht maßstabsgerecht)

Für den weiteren Weg rechtsrheinisch Richtung Koblenz nehme ich von Linz aus den Rheinhöhenweg bzw. auch den Rheinsteig. Es sind zwei Wege, die auf manchen Abschnitten identisch verlaufen. Zwischen Linz und Rheinbrohl führen sie annähernd parallel zum Rhein in die dazwischen liegenden Orte. Ansonsten aber machen sie in weit ausholenden Schleifen Umwege, die den Weg um das Doppelte verlängern. So beträgt die Strecke am Rhein von Linz nach Rheinbrohl zehn Kilometer. Auf dem Rheinsteig aber sind es zwanzig. Rheinsteig wie auch Rheinhöhenweg sind für Wanderer gedacht, weniger für Pilger, die Etappenziele erreichen wollen. Man hört oder liest zwar oft den Spruch „Der Weg ist das Ziel!“, aber um einen Ort zu erreichen, gehe ich lieber zehn Kilometer entlang des Rheins als zwanzig auf dem Rheinsteig. Am besten, man kombiniert die beiden Systeme, die Passagen unmittelbar am Rhein und die mit Auf- und Abstiegen verbundenen Höhenwege. Die zu bewältigenden Höhenunterschiede zwischen Linz und Bad Hönningen sind moderat. Es geht nicht über 200 Meter. Man wird belohnt mit sehr schönen Ausblicken, aber auch das Panorama unmittelbar am Rhein ist faszinierend.

Nach der Besichtigung der Pilgerkrönung in der Linzer Martinskirche geht es auf gut markierter Strecke hoch nach Dattenberg. Am Ortsrand trifft man auf einen Brunnen, der dem heiligen Antonius geweiht ist, Antonius Abbas, dem Wüsteneremit und Vater des Mönchtums. Ikonographisch wird er dargestellt mit einem Schwein zu Füßen. Das geht zurück auf das mittelalterliche Recht des Antoniter-Ordens, ein Schwein zur Mast im Dorf frei herumlaufen zu lassen. In der Pfarrkirche zu den Hl. Schutzengeln (Kreuzpfeilerbasilika im neuromanischen Stil, erbaut 1890-92) trifft man auf eine weitere Antoniusdarstellung.    

Von Dattenberg geht es auf meist schmalem Pfad hinunter nach Leubsdorf mit seiner Walpurgiskirche, bekannt auch als ‚weiße Kirche am Rhein’. Im Zuge der Reformation wurde die Kirche von Bilderstürmern vollständig leergeräumt bis auf eine Marienfigur, die von einer frommen Witwe des Dorfes versteckt wurde. Die holzgeschnitzte Figur stammt aus dem 14. Jahrhundert (Kölner Schule) und zählt zu den so genannten ‚schönen Madonnen am Rhein’.

Auf asphaltiertem Weg geht es von der Kirche zum Rheinsteig hoch. Die Zubringerwege sind mit einem gelben Zeichen markiert, der Rheinsteig selbst mit einem blauen (siehe Fotogalerie). An zwei rotweißen Pfosten und einem Wegekreuz geht es nach rechts auf einen schmalen Pfad, den man leicht übersieht. Läuft man geradeaus weiter, landet man wieder in Dattenberg.

Das Panorama auf dem Weg nach Ariendorf bietet malerische Ausblicke auf den Rhein, das Ahrtal und die Eifel. Gut zu erkennen mit ihrer rötlich-weißen Farbe auch die Sinziger Basilika St. Peter.

In Ariendorf führt der Weg an der ‚Alten Kapelle’ vorbei, die Johannes dem Täufer geweiht ist. Durch den Ort fließt der Ariendorfer Bach, der früher eine Grenze bildete. Ein Teil des Dorfes gehörte zu Kurköln, der andere zu Kurtrier. Die einen waren Kölner Untertanen, die anderen Trierer. Die Kapelle, die auf der Trierer Seite des Baches liegt, hatten sie Anfang des 18. Jahrhunderts gemeinsam gebaut. Als sich aber die Kurkölner des Dorfes weigerten, wegen der Benutzung der Kapelle Abgaben auch an das zu Kurtrier gehörende Hönningen zu leisten, wurde ihnen der Zugang verboten. Eine Posse aus dem 18. Jahrhundert.

Von Ariendorf aus nehme ich nun den sehr angenehm zu gehenden Weg unmittelbar am Rheinufer. Hier geht es an einem geologischen Lehrpfad vorbei. Ausgestellt sind am Rheinlauf vorkommende Gesteine. Das Exemplar mit der Nummer 5 ist 460 Millionen Jahre alt.

In Hönningen gab es im Mittelalter eine Niederlassung der Templer, eines Ordens, der Pilgern half. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite, in Bad Breisig, hatten sie ebenfalls eine Niederlassung, was vermuten lässt, dass es damals hier einen Rheinübergang gab. Jakobspilger sind möglicherweise von Linz (Pilgerkrönung in St. Martin) bei Hönningen über den Rhein nach Breisig und Oberbreisig (Pilgerkrönung in der Kirche St. Viktor) gezogen. Der von einer Mauer umgebene Tempelhof in Bad Hönningen ist heute in Privatbesitz. Die ehemalige Kapelle auf dem Gelände ist das wahrscheinlich älteste Gebäude des Ortes. Vermutlich wird es in ihr Jakobusspuren gegeben haben. In der Pfarrkirche St. Peter und Paul (1135 erstmals urkundlich erwähnt) begegnet man einer Pilgerfigur mit Muscheln, Hut, Pilgerstab und Kalebasse. Es handelt sich allerdings nicht um St. Jakobus, sondern um St. Rochus, erkennbar an der Wunde oberhalb des Knies und dem zur Seite stehenden Engel, der laut Legende die Pestwunden von St. Rochus versorgt hatte. Oft sieht man statt des Engels auch einen Hund mit einem Laib Brot im Maul. Nach der Rochuslegende hatte ein Jagdhund dem im Wald krank Daniederliegenden täglich Brot gebracht.

Bis Rheinbrohl sind es nun nur noch etwa zwei Kilometer. Hier trifft man auf die Spuren der Römer. Nahe am Rheinufer gibt es einen rekonstruierten Limesturm, der den Anfang des römischen Limes markiert. Am Rheinkastell Rheinbrohl begann die römische Reichsgrenze zwischen den Provinzen Obergermanien und dem so genannten freien Germanien. Auf einer Länge von etwa 550 Kilometern verlief der Limes durch Gebiete rechts des Rheins bis zur Donau westlich von Regensburg.

Rheinbrohl hat ein Wappen mit drei Jakobsmuscheln. Rheinbrohl gehörte zum Kurfürstentum Trier. Die Muscheln im Wappen gehen wahrscheinlich auf den Trierer Erzbischof Lothar von Metternich zurück. Das Wappen findet man in der Kirche St. Suitbertus und auch am historischen Rathaus. Die Gertrudenkapelle daneben, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, ist leider geschlossen. Es ist insbesondere für Pilger zu bedauern, dass Kirchen oder Kapellen geschlossen sind. Auf dem weiteren Weg bis Koblenz wird mir das leider noch häufiger begegnen, und zwar bei der nachfolgenden Etappe in den Orten Hammerstein, Leutesdorf und Neuwied-Irlich. Schade insbesondere bei der schönen Kirche von Leutesdorf.

      

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Bonn, Juli 2012