Pilgergruppe-I-850

Von Mayen nach Trier

I Mayen - Cochem

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Pilgerhut 500
Bernd Koldewey schmückt seinen Pilgerhut.

Es ist die Wiederaufnahme eines Abenteuers. Mit etwa zwölf Kilo Gepäck - darunter auch ein Zelt - wandern wir (Bernd Koldewey und ich) auf dem Jakobsweg von Mayen nach Trier. Das Zelt garantiert Unabhängigkeit. Man muss sich in keinem Hotel, in keiner Pension, in keinem Refugio anmelden. Wenn man Lust hat, kann man in den Abend, in die Dämmerung hineinlaufen. Man darf unterwegs trödeln, alles piano angehen lassen. Es gibt keinen Termin, keine Sorge wegen der nächtlichen Bleibe. Eine Wiese, eine Lichtung, ein Fleckchen am Bach findet sich immer. Und wenn es sein muss - und so kam es auch - dann meinetwegen mitten im Wald zwischen Busch und Baum. In Frankreich hatten wir es einmal fertig gebracht, in der beginnenden Dunkelheit auf einer begrünten Verkehrsinsel zu zelten. Auch neben Kirchen und Kapellen fühlten wir uns heimisch. Kein Franzose hat gemeckert. Nie rückte der Polizeiwagen an und verwies uns des Platzes. Bei unserer kleinen Eifeltour kamen wir auch unbehelligt davon. Aber das mag daran gelegen haben, dass man uns nicht gesehen hat.

Monreal IV 500
Zünftig mit Zelt und Espresso am Morgen

Neben der Unabhängigkeit hat ein Zelt natürlich auch den großen Vorteil, dass das Pilgerbudget geschont wird. Man kann sich am Abend getrost einen besseren Tropfen Wein als Schlummertrunk genehmigen. Und für den Kaffee am Morgen war nach altbewährter Methode auch gesorgt. Aus Steinen wird ein kleiner Ofen gebaut, Grillanzünderwürfel darunter, Topf mit Wasser auf die Steine. Dann kann der Tag mit einem zünftigen Kaffee beginnen.

Mayen Pilgerrelief 500
Jakobusrelief, Mayen, St. Clemens

So ausgerüstet starten wir in Mayen. An der St. Clemenskirche zeigt uns ein Relief, dass wir uns auf dem Jakobsweg befinden. Ein Lob auch für die gute Wegweisung nach Monreal.

Pilgerzeichen 500
Wegzeichen, Mayen

Die gelbe Muschel auf blauem Grund lässt einen an keiner Gabelung in die Irre laufen. Vorbei an Feldern mit Kornblumen und Mohn geht es über die Eifelhöhen in den mittelalterlichen Ort Monreal.

Monreal I 500
Blick auf Monreal

Monreal ist zweifellos ein Eifeljuwel. Schmucke Fachwerkhäuser, ein rauschender Bach, zwei Burgen. An der spätmittelalterlichen Kirche ‘Zum Heiligen Kreuz’ findet sich ein Wappenrelief mit drei Jakobsmuscheln. Auf dem Pilgerweg nach Trier kam Monreal eine herausragende Bedeutung zu, hatte doch Kreuzritter Graf Hermann III. Von Virneburg 1204 eine Jakobusreliquie hierhin gebracht.

Monreal Muschelwappen 500
Wappenrelief an der Kirche ‘Zum Heiligen Kreuz’

Hinter Monreal finden wir in der Dämmerung neben einem Sportplatz eine Wiese, schlagen das Zelt auf, genehmigen uns als Pilgertrunk einen Becher Mosel-Rotwein. Aus dem nahen Wald ruft ein Kauz, die Elz rauscht, der nachfolgende Schlaf wird nur einmal von einem heiser bellenden Fuchs gestört, der mit gebührendem Abstand um das Zelt schleicht und sich offensichtlich wundert.

Monreal II 500
Häusliche Idylle in Monreal

Der nächste Tag bringt uns zuerst in den Weiler Heunenhof. Der Name leitet sich ab vom ‘Heunen’, dem Bergrücken, an dessen Flanke der Ort gebaut wurde.

Kapelle Heunenhof 500
Kapelle, Heunenhof

Hier findet sich eine kleine Kapelle aus dem Jahr 1495. Sie beherbergt eine Statue des hl. Jakobus. Robert Degen aus Mayen hat sie geschaffen.

Heunenhof I 500
Jakobusskulptur, Heunenhof

An einer idyllischen Mühle vorbei führt der Weg nach Kaisersesch. Der Ort wurde schon 1321 mit Stadtrechten begabt. Die Historie geht bis in die römische Vergangenheit. Auffallend ist das Wappen von Kaisersesch: in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, im ersten Winkel ein sechsstrahliger schwarzer Stern über liegendem schwarzen Halbmond. Stern und Halbmond sind alte Gerichtssymbole, weisen aber auch auf ein Marienpatronat hin.

Pilgerskulptur Kaisersesch 500
Pilgerskulptur, Kaisersesch

Jüngeren Datums ist die Skulptur eines Jakobspilgers am Brunnen vor der Kirche wie auch die Muschel an einer Mauer neben der Kirche.

Monreal V 500
Auf dem Weg ins Martental

Über die Eifelhöhen führt der Weg weiter zum Kloster Maria Martental. Die Kennzeichnung des Weges ist allerdings nicht mehr so gut wie auf der Strecke von Mayen nach Monreal. Wir orientieren uns an der Himmelsrichtung und haben Glück, nach einem Gang talwärts genau auf die Klosterpforte zu stoßen. Man könnte hier übernachten. Wir sind jedoch zu spät dran. Das Pilgerheim (bis 17 Uhr geöffnet) ist schon geschlossen. In der Dämmerung beginnt unser Einstieg in die Endertbachschlucht, die sich etwa zwölf Kilometer nach Cochem hinzieht. Neben einem Wasserfall finden wir in der beginnenden Dunkelheit einen Platz für unser Zelt.

Endertbachtal I 500
Nachtlager im Wald

Die Nacht im Wald ist etwas unheimlich. Es ist stockdunkel. Der Wasserfall rauscht. Einsam ruft irgendwo ein Kauz. Ein Fuchs bellt. Ab und zu knacken Zweige. Wahrscheinlich ist es ein Reh. Wir sind froh, zu zweit zu sein. Das mildert die Beklemmung.

Goebelsmuehle 500
Altes Mühlrad oder ‘sich drehende Zeit’

Der rauschende Wasserfall ermuntert zu einem kleinen Gespräch über den ‘reißenden Strom der Zeit’. Wir stellen beide fest, dass die gewöhnlich verbrachten Tage in der Zivilisation nicht so sehr in der Erinnerung haften wie jeder einzelne Tag auf dem Jakobsweg. So als seien die normal verlaufenden zivilen Tage eingetaucht in ein konturloses Kontinuum. Dagegen ist der Jakobsweg mit allen seinen Bildern in der Erinnerung präsent. Auch wenn nichts Besonderes passiert ist. Es ist ein merkwürdiges Phänomen.

Endertbach II 500
In der Endertbachschlucht

Der nächste Tag führt uns durch eine wild romantische Schlucht nach Cochem. Die Pfade sind manchmal recht schmal, umgestürzte Bäume müssen überklettert werden. An besonders schwierigen Stellen gibt es Stege mit Geländer. Ein paar Kilometer vor Cochem lädt die Göbelsmühle zu Kaffee und Rast ein.

Endertbach III 500
Auf dem Weg durch die Endertbachschlucht

Cochem selbst hat mit jakobäischer Tradition dem Augenschein nach nichts zu tun. Der Ort ist schön, präsentiert sich touristisch. Eine Art ‘Rüdesheim an der Mosel’. Unsere Spurensuche fällt hier bescheiden aus. Das Zeichen der Muschel ist verschwunden.

Cochem I 500
Cochem mit Reichsburg im Hintergrund

Dieses Mal schlagen wir das Zelt auf einem Campingplatz vor den Toren der Stadt auf. Der Campingplatz Schausten ist zu empfehlen. Wegen seiner zwanglosen Atmosphäre ist er vor allem auch bei Niederländern beliebt. Wir bleiben eine Weile. Die Schafskälte mit ununterbrochenem Regen zwingt uns zu einer Pause.

Wird fortgesetzt...

Weitere Fotos zur ersten Etappe >>>

Siehe zu Heunenhof auch Artikel ‘Traum eines Jakobspilgers’ >>>

Siehe auch Artikel von Bernd Koldewey ‘Von Mayen ins Tal der Elz nach Monreal’ >>>

Juni 2009