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Pilgerkrönung - ‘coronatio peregrinorum’
Teil III Niedermendig

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Pilgerkrönung_Niedermendig
Pilgerkrönung, St. Cyriakus, Niedermendig

Auch in der Kirche St. Cyriakus in Niedermendig findet sich das Motiv der Pilgerkrönung. Im Obergaden der Nordwand ist diese um 1300 entstandene Darstellung als vorbildlich restauriertes Fresko zu sehen. Der Kölner Maler Anton Bardenhewer malte 1897 die Gesichter der beiden Pilger und des hl. Jakobus neu, der Kirchenmaler Hermann Velte überarbeitete dann nachfolgend die Wandmalerei 1950.

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Karl der Große (?) und der hl. Jakobus, St. Cyriakus, Niedermendig

Ein weiteres Fresko zeigt Jakobus als Pilger. Über die Königsgestalt mit dem Lilienzepter neben ihm mag man rätseln. Es könnte Karl der Große sein, aber auch Ludwig der Heilige. Sollte tatsächlich Karl der Große gemeint sein, muss man sich allerdings fragen, warum die Darstellung nicht signifikanter ist. Mittelalterliche Maler waren immer sehr konkret. So hätte etwa wie beim Karlsschrein in Aachen das Band der Milchstraße eine eindeutige Zuordnung erlaubt. Diese aber ist unterblieben. Auffallend ist die Geste der Hände. Der Pilger legt sich die Hand aufs Herz, der König hat die rechte Hand erhoben. Solch eine Geste ist zum Beispiel bei Buddhastatuen sehr bekannt. Als ‘Abhaya mudra’ bedeutet sie Schutzverheißung und Furchtlosigkeit. Die Bedeutung des Freskos könnte also sein: königlicher Schutz für den Weg nach Santiago.

Was die Pilgerkrönung betrifft, ist die Nachbarschaft der Fresken in Linz, Oberbreisig und Niedermendig natürlich auffallend. Punktgenaue zeitliche Datierungen der Fresken sind nicht möglich. Ob es sich um ein und denselben Maler handelt, sei also dahingestellt. Möglich ist auch ein nachfolgendes Aufgreifen dieses Motivs. Sicher aber ist, dass Linz, Oberbreisig (sowie Bad Breisig) und auch Niedermendig ausgesprochen jakobäische Orte auf der Route nach Trier gewesen sind und sind.

Bonn, 27. April 2009