A-2-850

Auf dem Jakobsweg von Osterspai nach Lorch

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

Wegeskizze (nicht maßstabsgerecht)

Bei der Beschreibung des rechtsrheinischen Weges von Bonn-Beuel nach Rüdesheim fehlte bislang der Abschnitt zwischen Osterspai und Lorch. Von Lahnstein bis Kaub ist diese rechtsrheinische Strecke bereits mit dem europäischen Zeichen für den Jakobsweg gekennzeichnet. Die Strecke von Lahnstein bis Osterspai wurde schon beschrieben (siehe hierzu >>>). Ebenso auch die von Lorch nach Rüdesheim (siehe hierzu >>>).
 

Jacobus Maior (rechts), Kirche St. Martin, Osterspai

Jacobus Maior, Jakobuskapelle Osterspai

Der Jakobsweg zwischen Osterspai und Kaub folgt dem Rheinhöhenweg sowie auch in manchen Abschnitten dem Rheinsteig. Von Kaub nach Lorch – eine Strecke, die noch nicht als Jakobsweg ausgewiesen ist - empfiehlt es sich beim Aufstieg zunächst den sehr schönen Weinwanderweg zu nehmen, der dann später auf den Rheinsteig trifft. Folgt man von Kaub aus nur dem Rheinsteig, bedeutet das einen erheblichen Umweg, da der Rheinsteig bekannterweise zu extensiven Schleifen neigt.
 

Panorama zwischen Osterspai und Kamp-Bornhofen

Blick auf Kamp-Bornhofen

Die Länge des Weges von Osterspai nach Lorch beträgt in der Kombination Rheinhöhenweg, Rheinsteig und Weinwanderweg etwa 50 Kilometer. Nimmt man nur den Rheinsteig, so kommt man auf über 70 Kilometer. Zudem hat der Rheinsteig den Nachteil, an dem Jakobsort Dahlheim mit seiner Jakobuskirche weit vorbeizuführen. Der Rheinsteig ist für Wanderer gedacht, die sich darüber freuen, von A nach B zwanzig Kilometer gehen zu dürfen, wenn zwischen A und B nur fünf Kilometer liegen. Der Pilger sieht das etwas anders. Er freut sich auch über die schöne Natur, ist zugleich aber auch zielorientiert. Der bekannte Spruch „Der Weg ist das Ziel!“ gilt eher für den reinen Wanderer, nicht für den Pilger. Wie sehr der Rheinsteig zur Streckendehnung neigt, entnehme man etwa dem Beispiel für den Weg von Rhöndorf nach Bad Honnef. Der Pilger geht von der Rhöndorfer Marienkapelle die schöne Rheinpromenade entlang zur Bad Honnefer Pfarrkirche St. Johann Baptist. Das sind nur, Vater Rhein zur Seite, zwei Kilometer. Auf dem Rheinsteig aber muss man von Rhöndorf nach Bad Honnef zwanzig zurücklegen. Doch ist der Rheinsteig nicht immer so extrem umwegfreudig. Manchmal folgt er auch rheinorientierter der Talkante und kann so für gewisse Abschnitte in einen rechtsrheinischen Jakobsweg einbezogen werden.
 

Panorama bei Lykershausen

Jakobuskirche Dahlheim

Doch nun der Reihe nach. Von Osterspai aus geht es zunächst auf die Höhe und dann zum Marienwallfahrtsort Kamp-Bornhofen. Hierzu folgt der Jakobsweg dem Rheinhöhenweg. Der Rheinsteig dagegen windet sich in einer ausholenden Schleife das Rheinknie entlang. Von der Wallfahrtskirche in Bornhofen geht es mit steilem Anstieg auf dem Verbindungsweg zum Rheinsteig hoch zu den Burgen Sterrenberg und Liebenstein, danach auf dem Rheinsteig, der hier zugleich auch Rheinhöhenweg ist, nach Lykershausen. Der Weg führt angenehm durch Wald und über eine Hochebene. In Lykershausen ist die Kirche St. Johannes der Täufer geöffnet. Die Kirche wurde 1866 erbaut. Zuvor stand dort eine Kapelle, über die man allerdings wenig weiß. Die nahe beieinander liegenden Orte Lykershausen, Dahlheim und Prath haben sich zur Pfarreigemeinde Jakobus der Ältere zusammengeschlossen. Die Jakobuskirche selbst mit einer Jakobusfigur im Chorraum ist im zwei Kilometer entfernten Dahlheim. In Lykershausen gibt es an einem Kiosk übrigens eine sehr gemütliche Einkehrmöglichkeit, so dass auch für das leibliche Wohl gesorgt ist.
 

Blick auf das linksrheinische St. Goar

Aufstieg zur Burg Sterrenberg

Auf der benutzten topographischen Karte vom Landesamt für Vermessung Rheinland-Pfalz und dem Hessischen Landesamt für Bodenmanagement (Oberes Mittelrheintal, Loreley-Boppard, 1: 25 000) ist das Jakobswegzeichen für die Route Osterspai-Kaub mit eingetragen. Erstaunlicherweise aber führt der Weg nicht weiter nach Dahlheim, sondern biegt von Lykershausen südöstlich nach Prath ab. Hier weichen wir von der eingetragenen Route ab und nehmen den östlichen Weg zur Jakobuskirche in Dahlheim und dann erst den südlichen nach Prath. Es bedeutet nur eine Schleife von etwa zwei Kilometern. Ein Besuch der Jakobuskirche muss auf diesem Pilgerweg sein.

Von Prath aus geht es weiter auf dem Rheinhöhenweg in südliche Richtung zum Rhein hin. Vor Wellmich vereinigen sich Rheinsteig und Rheinhöhenweg. In zahlreichen Kehren geht es nun nach St. Goarshausen.
 

Blick auf Kaub mit Pfalzgrafenburg

Blick auf Lorchhausen

In Bahnhofsnähe erfolgt nun von St. Goarshausen der Aufstieg nach Patersberg, und von dort geht es parallel zur Loreley-Rheinburgenstraße nach Bornich. Den Ort verlässt man am südlichen Rand, und hier muss man aufpassen, dass man nicht auf den Verbindungsweg zum Rheinsteig gelangt, sondern den südlicher verlaufenden Rheinhöhenweg nach Dörscheid nimmt. Hat man den Verbindungsweg zum Rheinsteig erwischt, so trifft man nach ein paar Kilometern auf eben diesen Rheinsteig, der zwar auch nach Dörscheid führt, aber umwegreiche Kehren nimmt. Ab Dörscheid verbinden sich Rheinhöhenweg und Rheinsteig wieder. Es geht hinunter nach Kaub.

Vom Bahnhof in Kaub nehmen wir nicht den Rheinsteig, sondern den Weinwanderweg, der auch in die Höhe führt und wunderbare Ausblicke auf das Rheinpanorama bietet. Dieser Weg ist der um einige Kilometer kürzere. Bald treffen sich Rheinsteig und Weinwanderweg wieder. An diesem Punkt geben Schilder Auskunft über die von Kaub zurückgelegte Distanz. Auf dem Weinwanderweg sind es bis Kaub 1,9 Kilometer, auf dem Rheinsteig dagegen 5,8.

Die Strecke von Kaub bis Lorch kann man ruhig spektakulär nennen. Immer wieder gibt es Ausblicke auf das grandiose Rheinpanorama. Der Rheinsteig führt hier bis auf ein paar Schleifen durch schönes Waldgebiet meist parallel zum Rhein nach Lorch. Am ‚Grenzhäuschen’ (alte Grenze zwischen Kurpfalz und Kurmainz) gibt es mitten im Wald eine urige Einkehrmöglichkeit, um als Pilger wieder mal auch an das leibliche Wohl zu denken.
 

anspruchsvoller Rheinsteig...

...mit Drahtseil und Trittbügel

Bei Lorch, von der Burg Nollig aus, erfolgt dann der teils steile Abstieg nach Lorch. An den schwierigsten Stellen helfen Trittbügel und Drahtseile. Hier zeigt der Rheinsteig seinen anspruchsvollen Charakter. Aber solch schöne Herausforderungen gibt es auch beim linksrheinischen Rheinhöhenweg, z.B. beim Aufstieg von Brohl auf dem Weg nach Andernach. Diese Stellen erfordern Trittsicherheit, sind aber ohne besondere Schwierigkeiten zu meistern.
 

Rheinpanorama vor Lorch

Jacobus Maior, Martinskirche, Lorch

Nach dem Abstieg befindet man sich nun im ‚Freistaat Flaschenhals’ bzw. in Lorch. Neben dem Besuch der Martinskirche (u.a. hier auch eine Jakobusfigur) ist der Besuch des Heimatmuseums zu empfehlen, wo man einiges über den ehemaligen Freistaat (provisorische Staatsbildung zwischen den Besatzungszonen, mit eigenem Notgeld, 1919-1923) erfahren kann.  

Nachdem nun die Wege des Rheincaminos links- wie auch rechtsrheinisch zwischen Bonn und Mainz bzw. Bonn-Beuel und Rüdesheim mehrfach mit Varianten gegangen sind, wird im nächsten Artikel das Thema ein Vergleich ‚links- oder rechtsrheinisch?’ sein.

 

 

Bonn, August 2012