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Ein Jakobus-Relief in Bonn

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Pilgerrelief_Wichelshof_gesamt
Jakobusrelief im Bonner Wichelshof

(Dr. Hanns-Jakob Pützer danke ich für die freundliche Führung zur Stelle
des Reliefs und die Genehmigung, diese Aufnahme machen zu dürfen.)

Dass Bonn im Netz der europäischen Jakobswege eine bedeutende Stellung einnahm und auch wieder einnimmt, ist hinreichend bekannt und muss im Einzelnen nicht mehr nachgewiesen werden. Die Zeugnisse der Bonner jakobäischen Tradition sind mannigfaltig.

Ein besonderes Foto wollen wir hier jedoch noch nachliefern. Es handelt sich um ein Jakobus-Relief, das sich linksrheinisch innerhalb des Bonner Wichelshofes befindet. Es dokumentiert den Pilgerübergang vom rechtsrheinischen Schwarzrheindorf in den Bonner Norden. Den Hinweis auf dieses Steinrelief verdanken wir dem schon öfter erwähnten Buch ‘Santiago liegt bei Bonn’ (siehe auch ‘Literaturempfehlungen’). Hier wurde das Relief erstmals in der Literatur vorgestellt und erläutert.

Relief_Wichelshof_Detail
Jakobusrelief Detail

Das teils sehr verwitterte Relief zeigt St. Jakob in seiner Funktion als Schutzpatron der Pilger. Das Datum, 1784, ist kein Zufall. Da wurde der Rhein von einem sogenannten ‘Jahrtausendhochwasser’ heimgesucht, war wochenlang von einer dicken Eisschicht bedeckt. Als dann der Wechsel zu milden Temperaturen erfolgte, türmten sich die Eisschollen am Ufer bis zu vierzehn Meter hoch. Während des Hochwassers suchten die Menschen, die in Schwarzrheindorf lebten, Zuflucht in der Doppelkirche. Diese mit zahlreichen Fresken ausgestattete Kirche ist ein einzigartiges Dokument mittelalterlicher Baukunst.

Schwarzrheindorf_Doppelkirche_außen
Doppelkirche, Schwarzrheindorf

Als Doppelkirche wird sie bezeichnet, weil sie zwei übereinander liegende Kirchenräume besitzt. Sie ist eine der bedeutendsten romanischen Kirchen Deutschlands. Sie hat nicht nur zwei ‘Etagen’, sondern auch ein doppeltes Patrozinium. Die Oberkirche ist Maria geweiht, die Unterkirche dem Heiligen Klemens.

Das Volk versammelte sich in der Unterkirche, Klosterfrauen und Stiftsdamen in der Oberkirche. In der oberen Etage wohnte auch der damalige Burgherr der Messe bei.

Doppelkirche_innen
Doppelkirche, Schwarzrheindorf, zwei ‘Etagen’

Die Schwarzrheindorfer Doppelkirche wird möglicherweise nicht nur Zuflucht bei Hochwasser geboten haben, sondern war vielleicht auch Refugium für die aus dem Osten oder Nordosten kommenden Pilger, hatte also, was die ‘Unterkirche’ betraf, eine ähnliche Funktion wie etwa die Vorkirche der Basilika ‘Saint Marie-Madeleine’ in Vézelay. 

Schwarzrheindorf
Blick vom Wichelshof auf das rechtsrheinische Schwarzrheindorf
(mit Turm der Doppelkirche)

Von Schwarzrheindorf aus erfolgte die damals nicht ungefährliche Passage zum anderen Ufer, von wo es dann weiter ging entweder Richtung Aachen oder Trier. Das Relief im Wichelshof belegt die Überquerung des Rheines an dieser Stelle.

Bonn, 24. April 2009