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Puerto del Acebo

von Rüdiger Schneider (Text/Foto)

 

 

am Puerto del Acebo

Der Puerto del Acebo ist als Pass weniger schwierig als der Puerto del Palo. Aber das Wetter ist gegen uns. Die Kleidung ist nass, die Schlafsäcke klamm. Zelten unmöglich. Selbst ein Fortführen der Tour à la Kerkeling ist wenig verlockend. Die Region ist im Griff eines massiven Tiefs, das noch mindestens eine Woche und wahrscheinlich länger andauern wird. Und die Temperaturen entsprechen eher denen des Dezembers. Trockene Polarluft wäre angenehmer. Und was ist mit den Landschaftsfotos? Sie würden alle unter der gleichen Tristesse leiden. Es wäre schade um diese Bilder. Sicher, man kann auch schöne, stimmungsvolle Regenaufnahmen machen. Aber verhängte Konturen und eintönige Farben!? Da muss man schon irischer oder schottischer Kunstfotograf sein und vom Regenmotiv besessen. Wir beschließen, den Camino Primitivo etappenweise zu laufen, nach Lugo zu fahren und von dort zunächst einmal die Heimreise anzutreten. Es macht hier keinen Sinn um des Durchhaltens willen durchzuhalten. Pilgern soll auch Freude bereiten, Entspannung sein, ein Gegenentwurf zum Alltag, in dem gerade in den städtischen Wintermonaten schon genug Grau geherrscht hatte. Warten wir also die Sonne ab! Es kommen bessere Zeiten.

Als wir über den Puerto del Acebo fahren, fegt Schneeregen über die Höhe, die Konturen der Berge versinken im Nebel. Ein einsames Pilgerpärchen, in Ponchos gehüllt, stapft tapfer die Straße entlang. Ein bisschen packt uns, im Trockenen sitzend, das schlechte Gewissen. Aber in diesem Mai werden wir nicht die einzigen sein, die ihre Pilgerreise auf dem Camino Primitivo oder auch dem Camino del Norte unterbrochen haben. Die Spanier selbst haben Mitte Mai solch ein Wetter mit einer so miserablen Langzeitprognose noch nicht erlebt. Der Busfahrer schüttelt den Kopf, meint, das mit der Klimaerwärmung sei Unsinn. Eher gäbe es, wie die Russen behaupten, eine neue Eiszeit. In Lugo schüttet es vom Himmel. Es ist kalt. Am nächsten Tag wird uns der Regen weiter auf der Zugfahrt durch Spanien begleiten und auch noch durch Frankreich bis nach Paris.

Bonn, Mai 2013