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“Nuevo descenso de las temperaturas”

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 


Von Lago aus geht es nach der ‚Überwindung’ des Puerto del Palo über Berducedo und La Mesa nach einer letzten Steigung hinunter zum Stausee Las Grandas. Der Abstieg zieht sich in Serpentinen lange hin, geht auf die Knie. Aber das ist weniger das Problem. Unterwegs haben uns einige heftige Regengüsse erwischt. Trotz des Ponchos ist uns die Nässe und jetzt auch noch zunehmende Kälte unter die Kleidung gekrochen, und auch die Schlafsäcke sind klamm. Erst gegen Abend erreichen wir den Stausee. Zelten unmöglich. Ausnahmsweise leisten wir uns ein Hotel. Es liegt direkt am Stausee. Den Weg die Landstraße hoch zur Pilgerherberge von Grandas de Salime hätten wir kaum noch geschafft. Und bei Dunkelheit die Leitplanken entlang zu laufen, schien uns zu bedenklich. Die Nacht über schüttet es. Am Morgen ist von dem idyllischen Blick auf den See nichts zu bemerken. Nebel und Regen. Und Kälte. Gerade mal sechs Grad.
 



In Grandas de Salime verziehen wir uns in eine Bar, gehen einmal vor die Tür, um uns eine Zigarette zu drehen und das Wetter zu betrachten. Ein Spanier mit Regenschirm steht neben uns. Er nimmt die Witterung gelassen, zuckt mit den Schultern und sagt: „Nuevo descenso de las temperaturas!“ Ein neuer Abfall der Temperaturen. Wie lange das mit dem Regen denn dauern würde, wollen wir wissen. Er lacht, geht in die Bar, kommt mit einer Zeitung zurück, schlägt die Seite mit den Wetternachrichten auf. Tiefschwarze Wolken bestimmen die Vorhersage für die nächsten sieben Tage. Und nach den sieben Tagen? Er schüttelt nur den Kopf. Ein massives, hartnäckiges Tief liegt über dem Nordwesten Spaniens, eigentlich über ganz Spanien und auch über Frankreich. Das sieht nach zwei Wochen Regen aus. Wir gehen wieder in die Bar und beraten uns bei einer Tasse Kaffee.

Bonn, Mai 2013