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Von Rheinbrohl nach Neuwied

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Wegeskizze (nicht maßstabsgerecht)

 

Von Rheinbrohl in das drei Kilometer entfernte Hammerstein entscheide ich mich für den Gang durch die Weinberge, und durch die Weinberge mit schönen Ausblicken auf den Rhein geht es auch vier Kilometer weiter bis in den Weinort Leutesdorf. Welche Umwege der Rheinsteig macht, bemerkt man etwa kurz vor Leutesdorf. Da stößt der Rheinsteig auf den Weg durch die Weinberge, um sogleich wieder hochzusteigen. Folgt man an diesem Punkt dem Rheinsteig, hat man laut Hinweisschild 4,1 Kilometer bis Leutesdorf zurückzulegen. Bleibt man auf dem Weg durch die Weinberge, sind es nur 1,5 Kilometer. Wie im Artikel zuvor (von Linz nach Rheinbrohl) bereits bemerkt, ist der Rheinsteig für Wanderer, weniger für Pilger geeignet, die ohne große Umwege ein Etappenziel erreichen wollen.

Der für Pilger bedeutsame Kirchenbesuch fällt in Hammerstein und Leutesdorf aus. In Hammerstein sind die aus dem 17. Jahrhundert stammende Filialkirche St. Katharina und die Pfarrkirche St. Georg (als Pfarrkirche 1335 erstmals erwähnt) geschlossen (am frühen Nachmittag). Diese Kirche weist, wie es auf einer Informationstafel zu lesen ist, eine Besonderheit auf: „Im Turm befindet sich das einzige romanische Doppelgeläute aus dem 11./12. Jahrhundert.“ Geschlossen ist dann auch die schöne Kirche St. Laurentius in Leutesdorf. Schade, die Fresken aus dem 12. und 15. Jahrhundert können ebenso wie die barocke Einrichtung nicht besichtigt werden.

Auf einem Leinpfad, der mehr und mehr zuwächst, später auf einem Weg neben dem Bahndamm geht es den Rhein entlang Richtung Neuwied. Vor Neuwied-Irlich endet die wohl wenig begangene Passage. Über eine Brücke kann man die Bahntrasse queren, läuft dann ein paar hundert Meter auf dem Radweg neben der B42. Im Ortsteil Fahr stößt man auf ein sehenswertes Fachwerkgebäude. Es ist das älteste Haus in Fahr. 1584 wurde es für den Fährmann gebaut, danach war es Pferdewechselstation für die Treidelschifffahrt.

Auf einer Nebenstraße geht es weiter nach Neuwied-Irlich. Die im klassizistischen Stil 1833 bis 1835 erbaute Kirche St. Peter und Paul ist ebenfalls leider geschlossen. Die unterhalb der Kirche liegende mittelalterliche Kapelle St. Georg wurde 1894 abgetragen.

Nach Neuwied geht es nun durch den Schlossgarten den Rhein entlang. Die evangelische Marktkirche, berühmt für ihre Orgelkonzerte, ist an diesem Tag leider auch geschlossen, obgleich sie laut Infotafel hätte offen sein sollen (von 10-18 Uhr). Geöffnet ist indes die katholische Pfarrkirche St. Matthias (um 1900 erbaut, die Vorgängerkirche von 1701 musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden). Aus der alten Pfarrkirche stammt noch eine Mondsichelmadonna. Besonders sehenswert sind u.a. die neugotischen Schnitzaltäre. In den Medaillons der Fensterspitzen sind die zwölf Apostel dargestellt, darunter auch Jakobus der Ältere als Pilger.

Neuwied ist ein Beispiel für das tolerante Zusammenleben der Konfessionen. Graf Friedrich III. von Wied hatte 1662 ein freiheitliches Stadtrecht erlassen, das Anhängern aller Konfessionen erlaubte, sich im protestantischen Neuwied niederzulassen.

Die Gesamtlänge der Strecke von Rheinbrohl bis zur Matthiaskirche in Neuwied beträgt etwa 14 Kilometer. Der Rheinsteig führt an Neuwied vorbei, landet im nördlich gelegenen Altwied. Auf dem Rheinsteig sind es von Rheinbrohl bis Altwied 25 Kilometer. Der Rheinhöhenweg macht ebensolche Umwege.

Von Neuwied geht es nun weiter nach Koblenz-Ehrenbreitstein, und dann ist ein Fazit des rechtsrheinischen Weges von Bonn nach Koblenz zu ziehen. Und es wird natürlich auch verglichen. Linksrheinisch oder rechtsrheinisch? Welche Strecke ist die pilgergemäßere?    

 

Fotos Rheinbrohl - Neuwied >>>

 

Bonn, Juli 2012