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Nikolaus von Kues und der Santiago-Pilger

von Rüdiger Schneider

 

 
Nikolaus von Kues,
Gemälde des Meisters des Marienlebens
(Quelle: Wikipedia)

Wer auf dem Moselcamino pilgert, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch durch Bernkastel-Kues kommen, dessen wohl berühmtester Sohn Nikolaus von Kues (1401-1464) gerne auch mit dem Pilgern in Verbindung gebracht wird. So gibt es etwa den von Erich Schwind ins Leben gerufenen internationalen Weg von Bernkastel-Kues nach Rom. Aber auch mit Santiago wird der Verfassser des Werkes ‚De docta ignorantia’ in Beziehung gesetzt. Allerdings nur per Fiktion, nämlich durch eine Passage im Roman ‚Das Tor der Freude’ von Johannes Kirschweng. Die Geschichte handelt von der letzten Reise des großen Theologen, Philosophen, Bischofs und Kardinals und bringt die Begegnung mit einem Santiago-Pilger, die im komplexen Gesamtzusammenhang des Romans allerdings eine eher untergeordnete Rolle spielt. Da zu diesem Motiv Interpretationen kursieren, die nicht unbedingt stimmig scheinen, sei hier die entsprechende Textstelle wiedergegeben, so dass man sich ein eigenes Urteil bilden kann. Zitiert wird aus dem siebten Band der gesammelten Werke von Johannes Kirschweng, Verlag ‚Die Mitte’, Saarbrücken 1981, S. 165.

 â€žDanach versuchte er [Nikolaus von Kues], den alten Mann, der aus dem Saardorf Faha stammte, in seinem Haus zu behalten als Türwärter oder Gärtner oder als irgend etwas der Art. Aber der war ein ewiger Wanderer, der meinte, er müsse sterben, wenn er still sitzen bleibe; er wolle jetzt nach einer kleinen Ruhepause nach Sankt Jakob in Spanien, sagte er, und das sei nun schon das zweite Mal. Er hoffe, auch noch das Grab unseres Herrn in Jerusalem aufzusuchen. Nach vierzehn Tagen machte er sich wieder auf den Weg, und als er, mit neuem Pilgermantel und Pilgerhut ausgerüstet, vor dem Kardinal stand, da blickte er so glücklich und strahlend froh in die Welt, daß den Kardinal fast das Gefühl des Neides überkam und die Ahnung, er selber könnte glücklicher werden als je im Leben, wenn er alles hinter sich lasse und mit diesem armen, heimatlos gewordenen Greis sich auf die Fahrt mache nach den heiligen Stätten des Glaubens und der Liebe. Er [Nikolaus von Kues] sagte etwas davon zu dem jungen Kleriker Peter, und der gab ihm zur Antwort: ‚Ach, Herr Kardinal, Ihr gehört ja doch zu denen, die immer unterwegs sind.’“ 

Bonn, März 2011