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Sevilla

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

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Flamenco-Tänzerin, Sevilla

Sevilla ist sinnlich, südlich, ein Schmelztiegel der Kulturen. Ich kann mir keinen besseren Startpunkt denken für den Jakobsweg als die Stadt am Beginn der Vía de la Plata. Im Fieber des Aufbruchs wird man der andalusischen Metropole allerdings zu wenig Zeit schenken. Einen Tag, zwei Tage, drei vielleicht. Doch dann, nach der Rückkehr aus Santiago, kommt er unweigerlich – der zweite Besuch. Man sollte ihn im November machen, wenn in Deutschland Herbstgrau die Gemütslage bestimmt. Sevilla wird mit Sonne und südlichen Temperaturen aufwarten, pulsierendes Leben einen Kontrast zur germanischen Lebensart setzen. Wer Spanien kennen lernen will, muss Sevilla sehen, erleben, genießen. Überbordend an Kultur, ansteckend mit Fröhlichkeit, bewundernswert durch Toleranz, deren Grundsatz ein verwirklichtes ‚leben und leben lassen’ ist. Auch eine Woche reicht kaum, um neben der spanischen Lebensart all die kulturellen Schätze kennen zu lernen. Die Kathedrale, den Alcázar, die Plaza de España, die Casa de Pilatos, das Museo de Bellas Artes mit den Gemälden u.a. von Zurbaran und Murillo und vieles, vieles mehr. Und überall begegnet man den Azulejos, den meisterhaft gebrannten und gestalteten Kacheln, die das Stadtbild mit bestimmen. Sevilla bei aller christlichen Prägung ist zugleich auch ein Gang durch das arabische Tausend und eine Nacht.

Wer von Sevilla aus auf der Vía de la Plata nach Santiago de Compostela gegangen ist, wird früher oder später den Wunsch haben, Sevilla wiederzusehen. Auch das gehört zum Pilgern mit dazu: Orte wieder aufzusuchen, die man ins Herz geschlossen hat.

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Buecher_Jakobus_Wege_164

Bonn, November 2010