Pilgergruppe-I-850

Durch das Siegtal nach Bonn

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

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Siegtal, Nähe Kloster Merten

Dass Pilger gerne dem Lauf der Flüsse folgten, ist bekannt. So wird man auch das Tal der Sieg als eine Art Zubringer zur ‚Drehscheibe Bonn’ bezeichnen dürfen. Pilger aus dem Siegerland, dem Westerwald und auch dem Bergischen Land werden die Sieg als willkommene Orientierung genommen haben, zumal mit den Klöstern Merten, Bödingen und der Servatiuskirche und dem Michaelsberg in Siegburg bedeutende Stationen am Wege lagen.

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Bernd Koldewey an der Sieg in Herchen

Die bemerkenswertesten jakobäischen Spuren befinden sich in der Kirche St. Peter in Herchen. Es sind Fresken, die das Galgen- und Hühnerwunder darstellen. Siehe hierzu den Artikel ‚Vorläufer des Bänkelgesangs? Das jakobäische Galgen- und Hühnerwunder in Herchen’.

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Fresken in der Kirche St. Peter, Herchen

In Herchen an der Sieg (Gemeinde Windeck) starten wir unsere Pilgertour. Die Sieg entlang geht es zunächst nach Eitorf. Die Strecke ist angenehm zu gehen, ruhig, landschaftlich reizvoll, wenn auch nicht so spektakulär wie die Wege entlang der Mosel. Aber das darf man auch gar nicht vergleichen.

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Sieg zwischen Herchen und Eitorf

Das Wetter ist dieses Mal nicht so brillant wie bei den Touren zuvor. Schien gegen Mittag noch die Sonne, strichelt am Nachmittag ein stetiger, feiner Landregen herunter. Aber es ist angenehm zu gehen.

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Die Sieg entlang bei Regen

Als wir eine Schrebergartensiedlung an der Sieg passieren, werden wir als Jakobspilger zu einem Bier eingeladen. Weiter die Sieg entlang geht es nach Eitorf.

Fachwerkkapelle_Eitorf
Marienkapelle in der Sieg-Aue

Kurz vor dem Ort entdecken wir eine kleine Fachwerkkapelle, die idyllisch in der Sieg-Aue liegt. Später, in der Nähe von Eitorf, machen wir es uns trotz des Regens mit dem Zelt an der Sieg gemütlich, lassen den Pilgertag mit einem Gläschen Rotwein ausklingen.

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Nach dem Aufbau des Zeltes: Ausklang des Tages

Ein Fischreiher sieht dem Aufbau zu, macht sich aber, als ich mich mit der Kamera nähere, sofort auf in die Lüfte. Die Nacht ist ruhig. Am Morgen blicken wir zunächst in Nebel. Dann erscheint hinter den Wolken die Sonne.

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Blick am Morgen in die Sieg-Aue

Der Weg zum Kloster Merten (ehemaliges Kloster) führt weiter die Sieg entlang, teils aber auch durch einen Wald oberhalb des Flusses. Insgesamt ist die Strecke angenehm zu gehen und die Orientierung ist leicht. Selten ist ein Stück Straße zu laufen. Das ändert sich aber ein paar Kilometer vor Hennef. Die Zersiedelung nimmt zu. Die Sieg ist öfter zu verlassen, und gerade vor Hennef ist ein Stück sehr befahrener Straße ohne Fußgängerstreifen oder Radfahrweg zu gehen. Statt über Hennef zu gehen, wird man sich besser rechts der Sieg halten und nach Siegburg hin den Weg über Seligenthal nehmen. Diese Route wird auch eher der traditionellen entsprechen.

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Kloster Merten, Orangerie

Im Frühjahr 2010 wird voraussichtlich der ‚Natursteig Sieg’ eröffnet werden. Dann wird man auf einem ‚Wildnistrail’ von Siegburg aus ins Windecker Land gelangen.

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Marienbild, Bödingen

Einer der Höhepunkte auf dem Weg ist der Marien-Wallfahrtsort Bödingen. Von Oberauel aus nehmen wir den historischen Wallfahrtsweg zu Kirche hoch. In der Bödinger Kirche findet sich ein Marienbild, das ein Einsiedler um 1400 hat anfertigen lassen. Als wundertätiges Bild wurde es weithin bekannt, und Bödingen entwickelte sich zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.

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Heilige Cäcilia, Bödingen

In der Kirche findet sich auch eine sehr schöne Figur der heiligen Cäcilia. Siehe hierzu auch den Artikel ‚Unverhoffte Begegnung auf dem Jakobsweg’.

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Michaelsberg, Siegburg

Unsere Etappe endet in Siegburg auf dem Michaelsberg. Hier besuchen wir nicht nur die Kirche der Benediktiner-Abtei, sondern auch den berühmten Likörkeller der Mönche. Wir probieren den original Abtei-Liqueur, ein safrangelbes, edles Destillat, das nach einem geheimen Rezept neun verschiedene Kräuter enthält.

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Doppelkirche, Schwarz-Rheindorf

So werden sich auch frühere Pilger gestärkt haben. Danach ging es für sie weiter Richtung Siegmündung, und dann waren es nur noch etwa zwei Kilometer bis zur Doppelkirche in Schwarz-Rheindorf.

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Relief im Bonner Wichelshof: Jakobus schützt die Pilger
bei der Rheinüberquerung

Hier befand sich dann auch ein Rheinübergang auf die Bonner Seite. Ein Relief im Wichelshof, der auf der Bonner Seite der Doppelkirche gegenüberliegt, weist darauf hin. Siehe auch den Artikel ‘Ein Jakobus-Relief in Bonn’.

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Zu der Siegtaltour siehe auch den Artikel von Bernd Koldewey: ‘Vom Galgen- und Hühnerwunder in Herchen bis zum Michaelsberg in Siegburg’ >>>

Bonn, September 2009