A-2-850

Der Jakobsweg und die Bergheimer Fischer

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 


Betrachtet man den Verlauf der mittelalterlich Straßen, die Handels- und zugleich Pilgerwege waren, so fällt auf, dass Siegburg und auch Hennef eine Verteilerfunktion besaßen. In Siegburg wie auch Hennef liefen mehrere Fernwege zusammen, die auch schon zuvor im Norden und Nordosten zahlreiche andere Wege kreuzten. Für Siegburg sind es der Mauspfad, auch Frankfurter Straße genannt (führte von Duisburg in die hessische Wetterau), weiter die Zeitstraße, die von Dortmund nach Bonn verlief und schließlich der sogenannte Polizeiweg von Wipperfürth nach Siegburg. Polizeiweg heißt er, weil er vorbildlich nach gesetzlichen Maßgaben instand gehalten wurde. In Hennef kreuzten sich Mauspfad und die Nutscheidstraße, die auch als Römerweg bekannt war. Diese Fernstraße führte von Lübeck nach Luxemburg. Von Siegburg und Hennef aus ging es nach Überquerung oder Durchquerung der Sieg weiter nach Bonn und von dort weiter nach Trier, Mainz oder Frankfurt. Die Pilger des Mittelalters werden dankbar auch die Gelegenheit genutzt haben, von Siegburg, Hennef oder am weiteren Unterlauf des Flusses von Bergheim aus per Boot oder Kahn zur Rheinmündung hin zu fahren und weiter nach Graurheindorf oder sogar zum Fischmarkt nach Bonn. Jedes Mittel, das die Strapazen eines beschwerlichen und gefährlichen Weges erleichterte, war willkommen. Man musste schließlich auch an den langen Rückweg denken, der ebenfalls zu bewältigen war. Ob zu Fuß oder wie auch immer. Der Spruch „Der Weg ist das Ziel!“ galt im Mittelalter wohl weniger als heute. Ankommen und Heimkommen waren vorrangig. Den Bootsverkehr auf dem Unterlauf der Sieg darf man sich als recht lebhaft vorstellen. Es waren Fischerboote und Handelsboote. Die Handelsboote transportierten die gleichermaßen begehrten wie berühmten Siegburger Schnellen und gewiss auch Eisenwaren aus Siegen. 
 

Siegburger Schnellen

Abtei auf dem Siegburger Michaelsberg,
Motiv auf Töpferarbeit

Die Handelsboote transportierten die gleichermaßen begehrten wie berühmten Siegburger Schnellen und gewiss auch Eisenwaren aus Siegen.
 

Wappen Fischereibruderschaft Bergheim
mit Jakobsmuscheln, rechts oben die hl. Adelheid,
erste Äbtissin in Vilich

Muschelwappen an einer Grabplatte an der
Vilicher Adelheidiskirche

Eine besondere Rolle dürften die Bergheimer Fischer gespielt haben. Die Bergheimer Fischereibruderschaft hat eine über tausendjährige Tradition. Zeitlich fällt ihre Gründung mit der Entstehung des spanischen Pilgerweges Camino Francés zusammen, der nach Santiago des Compostela führt.

Im heutigen Wappen der Fischereibruderschaft fallen drei Jakobsmuscheln auf. Diese gehen zurück auf die Ritter von Bergheim. In ihrem Ursprung sind die Muscheln in den Wappen des Adels ein Kreuzfahrermotiv. Nach dem Verlust von Jerusalem wurde Santiago de Compostela auch als das Jerusalem des Westens bezeichnet und die Jakobsmuschel wurde nach der spanischen Reconquista (Rückeroberung Spaniens, Befreiung von den Arabern) gerne als Siegeszeichen aufgenommen. Diese drei Muscheln sind häufig anzutreffen. So zum Beispiel in Hemmerich bei Bornheim, in Ahrbrück, in Andernach, in Neuwied, in Winningen an der Mosel, im Wappen von Rheinbrohl usw. Siehe hierzu z.B. den Artikel ‚Eine jakobäische Spur auf dem Moselcamino’ >>>
 

Hl. Adelheidis, Adelheidiskirche, Vilich

Hl. Katharina, Schutzpatronin der Bergheimer Fischer, Fischereimuseum Bergheim

Die Fischereibruderschaft hatte seit dem frühen Mittelalter eine besondere religiöse wie auch wirtschaftliche Verbundenheit mit dem Kloster Vilich. Man darf davon ausgehen, dass es im Zuge der mittelalterlichen Hospitalitas und Hilfsbereitschaft als Verdienst galt, Jakobspilgern das Übersetzen über den Rhein nach Graurheindorf mit seinem Kloster zu ermöglichen. An der Vilicher Adelheidiskirche findet sich nicht von ungefähr das Wappen mit den drei Muscheln wieder.
 

‘Der Fischer’, Jost Amman 1568

Jakobusfigur (Jakobus der Ältere),
St. Margareta, Graurheindorf

Die wohl bedeutendste Jakobusspur an der Sieg,
Freskenzyklus ‘Hühnerwunder’, St. Peter, Herchen

Jakobspilger, Detail aus dem Freskenzyklus

Die damaligen Pilgerströme sind durchaus vergleichbar mit dem heutigen Boom auf dem Camino Francés. Erst nach der Reformation und den unterschiedlichsten Kriegswirren gerade auch in der Bergheimer Umgebung kam es zu einem Niedergang des Jakobsweges. Bis erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts der Jakobsweg durch den Europarat wiederbelebt wurde. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts erfuhren dann auch die deutschen Routen im Netz der Jakobswege mehr und mehr Interesse.
 

Aalschokker vor dem Fischereimuseum Bergheim

Flusslandschaft, Sieg

Die Bedeutung der Fischereibruderschaft in diesem Zusammenhang bedürfte noch weiterer Untersuchungen. Es ist jedoch jetzt schon mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vermuten, dass sie auch beim Thema ‚Pilgern und Jakobsweg’ eine besondere Rolle gespielt hat. Was die Geschichte der Fischereibruderschaft betrifft, erhält man eine ausgezeichnete Anschauung im Bergheimer Fischereimuseum an der Sieg. Mit einem naturkundlichen und historischen Themenangebot werden kulturelles Erbe wie auch die spannende Gegenwart an der Sieg präsentiert.

Zur ausführlichen Information über das Fischereimuseum:

www.fischereimuseum-bergheim-sieg.de

 

 

Bonn, April 2013