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Die Stiftskirche in St. Goar

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 

Jakobusfresko, ev. Stiftskirche, St. Goar

War während der linksrheinischen Pilgerwanderung von Bonn nach Mainz im Mai 2012 die evangelische Stiftskirche in St. Goar leider geschlossen, so konnte der Besuch jetzt im August nachgeholt werden. Rechtsrheinisch führte der Weg bei bestem Sommerwetter in zehn Tagen von Lahnstein zum Kloster Marienthal bei Rüdesheim und wurde dann am anderen Rheinufer von Bingen bis Koblenz fortgesetzt. Über die in den Beschreibungen zum Rheincamino noch fehlende rechtsrheinische Strecke von Osterspai nach Lorch wird noch zu berichten sein.
 

St. Goar mit Stiftskirche

Blick auf St. Goar vom Rheinburgenweg

Die Stiftskirche in St. Goar zeigte sich als ein überraschendes Juwel unter den linksrheinischen Kirchen. Ganz im Gegensatz zum reformatorischen Programm der Bilderlosigkeit ist diese Kirche reich mit Fresken und Konsolfiguren ausgestattet. Der Vorgängerbau geht auf das 8. Jahrhundert zurück. Ein Neubau der Stiftskirche erfolgte Ende des 11. Jahrhunderts. Restaurierungen wurden im 19. Jahrhundert durchgeführt.
 

Stiftskirche, südliches Seitenschiff

St. Goar, Gewölbefresko, südliches Seitenschiff

Im Zuge der Reformation wurden die Wandmalereien übertüncht, Heiligenaltäre abgebaut und die Wallfahrt zu St. Goar – zu den Wallfahrern gehörte auch Karl der Große – verboten. Mit dem Jerusalemshof besaß der Ort damals auch ein Pilgerhospital, was natürlich ein weiteres Indiz ist für die herausragende mittelalterliche Bedeutung der Rheinstrecke.

Die Gründung des Ortes geht auf den Heiligen Goar zurück, der um 520 an der Stelle des heutigen St. Goar eine Einsiedelei baute. Nach seinem Tod schrieb sein Biograph zahlreiche Wundererzählungen auf, die mit dazu beitrugen, dass der Ort zu einem bedeutenden Wallfahrtsziel wurde. Goars Wirken bestand vor allem darin, zu missionieren, Arme zu speisen, sich um Reisende und Kranke zu kümmern. Sein Werk wurde insbesondere von dem Prümer Abt Asver fortgesetzt.
 

der Pilgerheilige Jodokus, Gewölbefresko in
der Stiftskirche, nördliches Seitenschiff

St. Goar, Schlussstein, nördliches Seitenschiff

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde mit der Freilegung der spätmittelalterlichen Fresken begonnen, wobei vor allem der Kölner Kirchenmaler und Restaurator Anton Bardenhewer mitwirkte, dessen teils wohl zu großzügigen Übermalungen und Ergänzungen Anfang der 1960er Jahre allerdings wieder entfernt wurden, um den ursprünglichen spätgotischen Bildbestand zu sichern.

Unter den Fresken befindet sich auf einem der Bogenzwickel des Langhauses auch eine Darstellung von Jacobus Maior als Pilgerapostel. Neben vielen anderen Heiligen begegnet man St. Goar mehrfach. Dargestellt ist er im Turmjoch unter der Orgel, dann im vierten Joch des südlichen Seitenschiffes und als Schlussstein im zweiten Joch des nördlichen Seitenschiffes, weiter an der Kanzel, die ein Meisterwerk spätgotischer Bildhauerkunst ist. Die farbenprächtige Deckplatte seines Grabmals befindet sich in der katholischen Kirche von St. Goar.

Die Rheinstrecke von Koblenz nach Oberwesel ist nicht nur landschaftlich geradezu spektakulär, sondern auch mit Kirchen ausgestattet, deren Besuch sich unbedingt lohnt. Hervorzuheben hier insbesondere Rhens, Boppard, St. Goar und Oberwesel.

Die Übersicht, was die Jakobusdarstellungen als Pilgerapostel betrifft, ist also linksrheinisch um St. Goar zu erweitern. Rechtsrheinisch kamen mit Oberkassel, Unkel und Dahlheim noch weitere Orte hinzu.
 

Orte am Rheincamino mit Jakobusdarstellungen

 

 

Literatur zur Stiftskirche: Michael Imhof, Stiftskirche St. Goar in St. Goar am Rhein, Petersberg 2003 

 

 

 Bonn, August 2012