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Auf dem Weg nach Werthhoven
Anfang Februar... ein sonniger Tag... die Luft schmeckt schon nach Frühling. Vom Bahnhof Rolandseck, der zugleich auch das Eingangstor zum Arp-Museum ist, starten wir (Bernd Koldewey & ich) zu einer Wanderung nach Wachtberg-Werthhoven bei Bonn. Ziel ist eine alte Jakobuskapelle mit einer barocken Statue des Pilgerpatrons.
Bahnhof Rolandseck
Doch zunächst eine Tasse Kaffee in dem schönen, klassizistischen Bahnhofsrestaurant. Der Blick geht auf den Rhein, auf die andere Seite. In leichtem Sonnendunst träumen die sieben Berge. Davor, mitten im Strom, liegt Nonnenwerth, wo die Geliebte Rolands ins Kloster ging, nachdem man ihr von seinem Tod in Roncesvalles berichtete. Was Poesie und Musik betrifft, hat die Insel einiges zu bieten. Hier spielte ein entfesselter Franz Liszt, hier besuchte ihn die ‘Geheimnisvolle’, die Contessa Maria d’Agoult.
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Von Rolandseck aus führt der Weg zunächst ein Stück an der B 9 entlang Richtung Mehlem. Es sind nur ein paar hundert Meter, da erwartet uns die erste Überraschung. Wir passieren ein Haus, hinter dessen hohen Fenstern Harfen stehen. Wir sind neugierig, klingeln im Parterre, werden gastfreundlich empfangen, dürfen Innenaufnahmen machen, wobei wir aber zusichern müssen, bei den Aufnahmen der Harfen nicht zu sehr ins Detail zu gehen und die Fotos auf keinen Fall den Chinesen zukommen zu lassen.
Rolandsbogen - Bernd Koldewey blickt zum Drachenfels
Nach links, vorbei an einer Bronzebüste Ferdinand Freiligraths, geht es zum Rolandsbogen hoch, dessen Retter eben dieser Freiligrath ist. Durch seinen Spendenaufruf in der Kölnischen Zeitung konnte der eingestürzte Bogen wieder restauriert werden. Vom Rolandsbogen aus hat man einen phantastischen Ausblick auf den Rhein, das Siebengebirge, auf Nonnenwerth. Möglich, dass Heine während seiner Bonner Zeit auch so auf den Rhein geguckt hat, und dann kam ihm die Loreley in den Sinn: ‘Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein...’ Zur heitren Sonnenstimmung des Tages passt indes weniger die Loreley. Da fallen mir doch eher ein paar flotte Zeilen aus Heines Angélique-Zyklus ein: ‘Ich halte ihr die Augen zu und küss sie auf den Mund...’ 
Bald sind wir oben auf dem Höhenzug. ‘Rheinische Meseta’ nennt Koldewey ihn. Und irgendwo, wie im spanischen Hochland und typisch für es, taucht tatsächlich überraschend ein Dorf in einer Talsenke auf.
Es ist eine Wanderstrecke zum Genießen. Die ersten Frühlingsboten sind unübersehbar. Schneeglöckchen recken sich ins Sonnenlicht, ein Schwarm Sperlinge jagt durch die Büsche, das Ackerland hat eine Farbe, die den Sommer zu rufen scheint.
Über Nieder- und Oberbachem kommen wir nach Züllighoven und dann an Apfelbaumplantagen vorbei nach Wachtberg-Werthhoven. Von weitem schon sieht man ein riesiges Radar-Ei, das wie ein überdimensionaler kosmischer Golfball den nördlichen Horizont beherrscht.
Wachtberg-Werthhoven selbst gibt sich bescheidener. Es ist ein alter Ort, mit zahlreichen Fachwerkhäusern noch, und eben jener alten, schlichten Kapelle, die als Jakobuskapelle erstmals 1498 erwähnt wird. Zweiter Patron neben Jakobus ist der Heilige Sebastian, der als Beschützer vor der Pest eine ähnliche Rolle spielt wie auch St. Rochus.
Den Turm der Jakobuskapelle schmückt ein Jakobuskreuz, dessen Enden Lilienform haben und damit auf das Kreuz des Santiago-Ritterordens verweisen.
Wir haben an diesem Tag Glück. Die Altarfiguren sind noch in der Kapelle. Ein paar Stunden später sollen sie zu Restaurationszwecken abgeholt werden und kehren voraussichtlich erst im April zurück. So haben wir also, zumindest für einige Zeit, den letzten Tag erwischt, an dem die Jakobusstatue noch zu sehen war. Dank an dieser Stelle auch an Frau Gertrud Wolf, die uns auf die geplante Restauration hinwies und uns freundlicherweise die Kapelle aufgeschlossen hat.
Und zum Schluss noch ein Literaturhinweis. Wer sich für die Jakobsorte im Raum Bonn interessiert, findet reichhaltiges Material in dem Buch von Horst und Wiltrud Bursch ‘Santiago liegt bei Bonn - Auf den Spuren des Apostels Jakobus im Rheinland’. Verlag Walter J. Divossen, Bonn 2001.
Siehe auch: Spurensuche im Drachenfelser Ländchen >>>
weitere Fotos >>>
3. Februar 2009
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