A-2-850

Wetzlar - Station auf einem alternativen Jakobsweg von Fulda nach Trier

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

Jacobus Maior, Dom, Wetzlar

 

Wetzlar, Dom, Innenansicht

Wer von Fulda aus westwärts den Jakobsweg durch die Region Vogelsberg geht, steht spätestens in Hungen vor der Wahl, ob er oder sie sich auf dem weiteren Weg nach Santiago den Ballungsraum Frankfurt zumutet oder aber auf Wetzlar und den Lahncamino zusteuert. Der Lahn folgend ginge es dann nach Lahnstein, wo der Fluss in den Rhein mündet und wo sich mit einer Jakobuskapelle ein ausgewiesener mittelalterlicher Jakobusort befindet. Über Koblenz, ebenfalls ein Jakobsort mit Jakobuskapelle und mittelalterlicher Tradition kann es die Mosel entlang weiter nach Trier gehen und zu den Anbindungen an den Weg nach Santiago de Compostela. Wer sich für diese Route über Wetzlar entscheidet, bleibt weitgehend in einer schönen, abwechslungsreichen Landschaft mit zahlreichen Orten jakobäischer Verehrung.
 

Mondsichelmadonna, Wetzlar

Marienfresko, Wetzlar

Hierzu müsste man auf dem Weg durch die Region Vogelsberg am besten schon einige Kilometer vor Hungen nach Gonterskirchen und Laubach abbiegen, den alten Heer- und Handelsweg der so genannten „kurzen Hessen“ kreuzen, weiter auf Lich zusteuern, danach das weniger attraktive Gießen nördlich umgehen, um dann nach einigen Kilometern auf Wetzlar und seinen Dom zu treffen. Hier wäre für Jakobspilger ein guter Einstieg in den Lahncamino.
 

Magdalenenszene, Wetzlar

Fachwerkidylle, Wetzlar

Natürlich sollte zuvor ein Besuch des Wetzlarer Domes nicht fehlen. Baubeginn war im Jahr 1230. Hier trifft man unter anderem auf eine Darstellung Jakobus’ des Älteren, ausgewiesen durch eine Muschel, die er in der rechten Hand hält. Die Skulptur befindet sich am südlichen Turmportal. Im Inneren des Domes mag man sich an Wandmalereien erfreuen, die aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammen und 1987 vorbildlich restauriert wurden. Ein besonderer Kirchenschatz ist auch der aus der Spätgotik stammende so genannte ‚Marienleuchter’ mit einer geschnitzten Mondsichelmadonna.
 

‘Goethes Tante’, Szene vor dem
Goethemuseum, Wetzlar

an der Lahn in Wetzlar

Der Dom von Wetzlar wird heute simultan benutzt, das heißt von der katholischen wie auch evangelischen Gemeinde. Zuvor war es nach der Reformation zu einigen heftigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Reformierten gekommen. Heute gibt es neben der abwechselnd gemeinsamen Nutzung auch ökumenische Gottesdienste.
 

Wirtshaus an der Lahn, Niederlahnstein

Santiagostein bei der Lahnmündung

Nach Wetzlar wurde Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Reichskammergericht das höchste Gericht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verlegt. Kein Geringerer als Goethe war hier 1772 tätig. Anlässlich einer romantisch-glücklosen Romanze tobte er sich in dem Briefroman ‚Die Leiden des jungen Werther’ aus, der dann auch zu einem europäischen Bestseller wurde und sogar Napoleons Bewunderung fand.
 

Portalbogen, Jakobuskapelle, Lahnstein

Jakobuskapelle, Lahnstein, Innenansicht

Auf Goethes Spuren trifft man dann auch am Ende des Lahncaminos. Hier, unmittelbar vor der Lahnmündung, befindet sich das Wirtshaus an der Lahn, in dem der Weimarer nächtigte. Für Jakobuspilger mag indes die Jakobuskapelle mit einem Inventar an Antiqua interessanter sein.
 

Jakobus Maior, Jakobuskapelle, Koblenz

Jacobus Maior, St. Kastor, Koblenz

In Koblenz lohnt sich ein Besuch der Altstadt mit der St. Kastor-Kirche (in ihr eine Jakobus-Darstellung) und mit der Jakobuskapelle gegenüber.

   

zur Übersichtsseite ‘Jakobsweg Region Vogelsberg’ >>>

 

 

 

 Bonn, April 2012