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Eine jakobäische Spur auf dem Moselcamino

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 


Muschelwappen des Freiherrn von Heddesdorff

Wer auf dem Moselcamino den unmittelbar am Fluss gelegenen Ort Winningen passiert, trifft dort auf ein altes jakobäisches Zeichen. Es ist ein Muschelwappen, das sich über dem Torbogen des Stammsitzes der Familie des Freiherrn von Heddesdorff befindet. Das Stammhaus des Weingutes ist über 900 Jahre alt und zählt zu den ältesten Häusern Winningens. Das Wappen geht zurück auf den Kreuzfahrer Craffo de Hesensdorf (11.? – 1218). An welchem der Kreuzzüge er teilgenommen hat, ist nicht bekannt. In Frage kämen die Kreuzzüge drei bis fünf (Ziel Jerusalem) oder der Albigenserkreuzzug gegen die Katharer in Okzitanien (1209-1229).

 
Beginn des Stammbaums Freiherr von Heddesdorff

Wie nun kommt ein Kreuzfahrer an ein Muschelwappen, das sich zunächst nicht auf Jerusalem, sondern auf Jakobus bezieht? Der Bezug besteht in der Funktion von Jakobus als ‚miles Christi’ (Soldat Christi) in der Schlacht von Clavijo (es geht um die spanische Reconquista), wo er der Legende nach als Matamoros (Maurentöter) erschien. Wegen dieses Bezuges hatten Kreuzfahrer die Muschel als Symbol gewählt.

 
Holzschnitzkunst, Muschelwappen an einem Schrank,
Freiherr von Heddesdorff

Der Weinort Winningen hat noch einen zweiten jakobäischen Bezug. Wie in Traben-Trarbach gibt es auch hier noch eine Schröterzunft, die die Tradition des Fassschrotens pflegt. Und der Schutzpatron der Schröter ist bekanntlich Jakobus.


Idylle in Winningen

 

Bonn, März 2011