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Ein Besuch im Jakobsort Zell-Kaimt

von Rüdiger Schneider

 

Peter Stork bei der Arbeit

Der Ort Zell-Kaimt liegt an einer ausgeprägten Moselschleife (Zeller Hamm) zwischen Bullay und Traben-Trarbach, allerdings näher bei Bullay. In Zell-Kaimt besteht, soweit mir bekannt ist, das einzige Jakobus-Patrozinium an der Mosel. Am Bahnhof in Bullay holt mich Peter Stork ab, ein Bildhauer aus Kaimt, der neben anderen sakralen Figuren auch eine sehr schöne Jakobusfigur aus Holz geschaffen hat, und zwar aus den Eichenbalken von Jahrhunderte alten Winzerhäusern. Die Skulptur ist Einmeterzwölf groß und wiegt über 37 Kilo. Beim Kirchweihfest des Ortes, das am Sonntag nach dem 25. Juli, also dem Gedenktag des Heiligen Jakobus, begangen wird, steht sie mit Weinranken geschmückt im Altarraum der Pfarrkirche St. Jakobus.

 
Jakobusstatue von Peter Stork beim Kirchweihfest
Foto: Peter Stork

Diese Kirche besuchen wir zuerst. Sie wurde 1968 gebaut und ist die Nachfolgerin vorheriger Jakobuskirchen des Ortes. Es ist eine modern gestaltete Kirche, in die die alten Schätze harmonisch eingebunden sind. So etwa der Schlusstein einer Vorgängerkirche mit dem Brustbild von Jakobus. Oder etwa auch eine romanische Inschriftentafel aus Kalksandstein mit der ältesten Darstellung eines Moselwinzers (um 1220). Weitere Schätze sind z.B. und unter anderen ein Christus-Torso, entstanden zwischen 1300 und 1400.

Als wir uns in der Kirche umsehen, bekommen wir Besuch. Ewald Mesenich, der Organist und Küster, kommt frisch aus dem Wingert, dem Weinberg, und setzt sich an die Orgel. Er spielt das Kaimter Jakobuslied, das ein unbekannter Komponist aus dem Ort für die Gemeinde verfasst hat.

 
Ewald Mesenich

Etwas später darf ich das Atelier des Bildhauers besuchen und ihm bei der Arbeit zuschauen. Wir unterhalten uns auch über Tilman Riemenschneider, der einige der bedeutendsten Jakobusfiguren in Deutschland geschaffen hat. Es grenzt schon an ein Wunder, wie man aus einem Stück Holz eine Figur hervorzaubern kann mit gelungenem Faltenwurf und einem Gesichtsausdruck, der die seelische Empfindung wiederzugeben vermag.

Nach einer Kaffeepause – Ingrid Stork hat wunderbar den Tisch gedeckt – geht es weiter zum Rundgang durch Haus und Garten. Auch hier stoße ich neben anderen Figuren wieder auf eine Jakobusdarstellung. Es ist ein Relief – Jakobus mit der Pfarrkirche im Hintergrund – auf einem großen Weinfassboden.

Die von Stork geschaffene, anfangs erwähnte Jakobusfigur, hat übrigens eine originelle Eigenschaft, die man wahrscheinlich anderswo nicht so leicht findet. Man kann den muschelbesetzten Hut abnehmen und hat dann eine Skulptur, die ohne Hut der polychromen Jakobusstatue in der Kirche genau entspricht.

Peter Stork zeigt mir an diesem Nachmittag auch die ausgesprochen schöne Landschaft des Zeller Hamms mit ihren Weinbergen und dem alten Treidelpfad, auf dem man auf dem Jakobsweg nach Trier weiterpilgert. Noch hat diese Landschaft ihre gerade auch für Pilger unverbauten Reize. Ob das so bleibt? Der natürliche und in langer Zeit gewachsene Charakter der Zeller Hamm droht verloren zu gehen. Ein riesiger Ferienpark ist hier geplant, der die Natur eher verschandeln als verschönern dürfte. Und das ausgerechnet dicht bei einem Ort, der eines der ältesten Jakobuspatrozinien Deutschlands hat.

Bonn, März 2011