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Tipp für eine sanfte Rückkehr von Santiago de Compostela

von Rüdiger Schneider (Text/Fotos)

 

 
Am Bahnsteig in Ourense

 Wer wochen- oder gar monatelang zu Fuß nach Santiago de Compostela gepilgert ist, wird per Flugzeug in nur zwei oder drei Stunden sozusagen zurück katapultiert. Was man sich mit den Füßen langsam, hart und erdnah erarbeitet hat, zieht in Nullkommanix über den Wolken unten an einem vorbei. Es ist ein sehr seltsames Gefühl.

 Langsamer, in etwa dreißig Stunden, prescht der Bus über die Autobahn. Nach all der Freiheit, die man genossen hat, hat man sich in dieses Fahrzeug gezwängt und sieht einer strapaziösen Rückkehr entgegen. Pilgern war weniger anstrengend.

Landschaft zwischen Ponferrada und Astorga

 Schöner, wohltuender und sanfter geht es mit dem Zug. Der fährt morgens in Santiago ab und hat am Abend die Grenzstadt Irún bzw. auf der französischen Seite Hendaya erreicht. Drei Jakobswege trifft er in Spanien. Bis Ourense die Vía de la Plata, danach mit den Stationen Ponferrada, Astorga, León, Sahagún und Burgos den Camino Francés, später dann mit San Sebastian und Irún Orte des Camino del Norte. Besonders schön ist die Fahrt über die Meseta. Es mag ein unvergesslicher Anblick sein, im gleißenden Licht des Mittags noch einmal Astorga, León und Burgos mit ihren Kathedralen zu sehen.

 Die Fahrt ist schnell und zugleich gemütlich. Dafür sorgt die Cafeteria des Zuges, und wer sich unbedingt ein Zigarettchen drehen will, hat dazu auch Gelegenheit. Denn ab und zu wird die Lokomotive gewechselt. Dann kann man ein paar Minuten auf dem Bahnsteig verweilen und sieht genau, wann der Zug wieder abfahrbereit ist. Zudem winken einen die freundlichen spanischen Schaffner wieder herein. Sie lassen keinen auf dem Bahnsteig stehen.

 Das Vergnügen ist gar nicht so teuer. Für 50 Euro geht es in der Touristenklasse quer durch Spanien von Santiago nach Hendaya. Wer etwas mehr Luxus haben will, zahlt in der ersten Klasse (Preferente) 66 Euro. Verglichen mit den Preisen der deutschen Bundesbahn ist das für diese lange Strecke sehr kulant.

 In Hendaya kann man eine Nacht verbringen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten unterschiedlicher Preiskategorien, und am nächsten Morgen geht es ausgeruht weiter mit dem TGV in einem durch nach Paris, wo man vom Bahnhof Montparnasse mit der Metro zum Gare du Nord fährt und dort in den Thalys nach Köln steigt, wo man am Abend ankommt. Die Fahrt von Hendaya bzw. französisch Hendaye nach Paris kostet 85 Euro. Die Preise für den Thalys schwanken zwischen 29 und 118 Euro, je nachdem, ob und wann man per Internet gebucht hat oder ob man sich ein Blitzticket am Schalter des Gare du Nord besorgt. Man schafft den Rückweg mit dem Zug locker in zwei Tagen; reine Fahrzeit etwa 20 Stunden.

  Man kann auf diese Weise noch einmal Abschied nehmen von einem schönen und erlebnisreichen Weg. Die Rückkehr ist nicht ganz so brutal wie mit dem Flugzeug und nicht so zermürbend wie mit dem Bus. Den ganzen Weg zurück zu laufen, ist natürlich auch eine Methode. Aber aus zeitlichen, medizinischen und finanziellen Gründen wird das wohl eher selten gemacht.

12.8.2011